Das traditionsreiche Wald-Gymnasium in Berlin-Westend wird vorerst nicht in eine Integrierte Sekundarschule (ISS) umgewandelt. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf hat einen Beschluss gefasst, der die Pläne von Bildungsstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) zunächst ausbremst. Die BVV fordert ein umfassendes Beteiligungsverfahren, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
Hintergrund des Konflikts
Seit einem halben Jahr protestieren Eltern, Schüler und Lehrkräfte gegen das Vorhaben von Schmitt-Schmelz, aus dem Wald-Gymnasium eine ISS zu machen. Die SPD-Politikerin hatte eine Entscheidung noch in diesem Sommer angestrebt und die Umsetzung für das Schuljahr 2027/2028 vorgesehen. Der Widerstand gegen die Pläne war groß: Kritiker befürchten einen Verlust des Gymnasialprofils und eine Verschlechterung der Bildungsqualität.
Beschluss der Bezirksverordneten
Die BVV verabschiedete nun einen Antrag, der die Stadträtin auffordert, ein transparentes Beteiligungsverfahren durchzuführen. Dieses soll alle relevanten Akteure – Eltern, Lehrkräfte, Schüler und die Öffentlichkeit – einbeziehen. Erst nach Abschluss dieses Verfahrens soll über die Zukunft der Schule entschieden werden. Der Beschluss ist ein Rückschlag für Schmitt-Schmelz, die auf eine schnelle Umsetzung gedrängt hatte.
Reaktion der Stadträtin
Schmitt-Schmelz zeigte sich jedoch unbeeindruckt und sieht in dem Beschluss kein Stoppsignal. Laut einem Bericht des Tagesspiegels erklärte sie, dass der BVV-Beschluss lediglich ein Beteiligungsverfahren fordere, nicht aber eine grundsätzliche Ablehnung der Umwandlung. Sie betonte: „Das ist kein Stoppsignal, sondern ein Auftrag, die Diskussion zu vertiefen.“ Die Stadträtin kündigte an, das Verfahren wie geplant vorzubereiten, jedoch die Beteiligung zu verstärken.
Bedeutung für die Schullandschaft
Der Fall des Wald-Gymnasiums ist exemplarisch für die Diskussion um die Berliner Schulstruktur. Das Gymnasium genießt einen hervorragenden Ruf und ist stark nachgefragt. Eine Umwandlung in eine ISS würde das Ende des Gymnasialzweigs bedeuten und könnte die Schullandschaft im Bezirk verändern. Gegner der Pläne argumentieren, dass die Vielfalt der Schulformen erhalten bleiben müsse und dass eine ISS nicht zwangsläufig bessere Bildungschancen biete.
Ausblick
Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Beteiligungsverfahren zu einer Verschiebung oder gar Aufgabe der Umwandlungspläne führt. Die BVV hat die Stadträtin aufgefordert, bis zum Ende des Jahres einen Bericht über den Fortgang des Verfahrens vorzulegen. Bis dahin bleibt das Wald-Gymnasium ein Gymnasium – zumindest vorerst.



