Babys Musikalität: Schon mit drei Monaten aktiv – aber kein Taktgefühl
Babys Musikalität: Mit drei Monaten aktiv, kein Taktgefühl

Eine neue Studie belegt, dass Babys bereits im Alter von drei Monaten auf Musik reagieren – zumindest im Gehirn. Für rhythmisches Mitwippen oder koordinierte Bewegungen braucht es jedoch mehr Zeit: Erst gegen Ende des ersten Lebensjahres zeigen Kinder komplexere Bewegungsmuster, aber noch keine Synchronisation mit dem Takt. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachjournal „eLife“ veröffentlicht und geben Einblicke in die frühe musikalische Entwicklung.

Studiendesign: Musik und Hirnaktivität bei 79 Babys

Ein internationales Forschungsteam aus Österreich, Italien und Deutschland unter der Leitung der Hirnforscherin Trinh Nguyen (jetzt Universität Heidelberg) und der Psychologin Stefanie Höhl (Universität Wien) untersuchte 79 Babys in drei Altersgruppen: drei, sechs und zwölf Monate. Die Kinder hörten zwei Kinderlieder sowie melodisch und rhythmisch verfremdete Versionen. Währenddessen saßen sie in einem Babysitz vor einem Bildschirm mit Blumenmustern, während ihre Hirnaktivität per Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet und ihre Körperbewegungen gefilmt wurden.

Frühe auditive Verarbeitung, späte motorische Reaktion

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits die jüngsten Babys eine verstärkte Hirnaktivität beim Musikhören aufwiesen. „Wir sehen also, dass die auditive Verarbeitung von Musik schon sehr früh in der Entwicklung beginnt“, erklärt Erstautorin Trinh Nguyen. Bei den Körperbewegungen zeigte sich ein anderes Bild: Zwar bewegten sich alle Altersgruppen zur Musik, aber komplexe und strukturierte Bewegungsmuster traten erst bei den zwölf Monate alten Kleinkindern auf. Allerdings erkannten die Forschenden auch bei ihnen noch keine koordinierte Synchronisation der Bewegungen zum Takt, wie etwa rhythmisches Mitwippen.

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Langsame Entwicklung der Bewegungskoordination

Das Team folgert, dass das Gehirn erst allmählich lernt, auf Musik mit zunehmend komplexen Bewegungen zu reagieren. Dieser Prozess werde im Laufe der Kindheit immer koordinierter. Die Psychologin Stefanie Höhl betont die Bedeutung der Erkenntnisse für die Praxis: „Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und die frühe Förderung bedeutet das, dass gemeinsames Singen, rhythmisches Wiegen und wiederholte musikalische Routinen bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen sein können – auch dann, wenn Babys noch nicht sichtbar im Takt mitgehen.“

Implikationen für die frühkindliche Förderung

Die Studie unterstreicht, dass Musikalität – definiert als biologische Veranlagung, Musik wahrzunehmen, zu würdigen und zu produzieren – ein grundlegender Aspekt der menschlichen Natur ist. Die Forschung liefert konkrete Anhaltspunkte, wie Eltern ihre Babys musikalisch fördern können: durch regelmäßiges Singen, Wiegen im Rhythmus und wiederholte musikalische Rituale, auch wenn die Babys noch nicht aktiv mitmachen. Dies könnte langfristig die kognitive und motorische Entwicklung unterstützen.

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