Der neuseeländische Schauspieler Sam Neill ist tot. Wie seine Familie am Montagmorgen auf seinem Instagram-Profil mitteilte, starb er im Alter von 78 Jahren. Neill war einem breiten Publikum vor allem durch seine Rollen in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ (1993) und Jane Campions „Das Piano“ (1993) bekannt. In seinen 2023 erschienenen Memoiren „Did I Ever Tell You This?“ hatte er erstmals öffentlich über seine Krebserkrankung gesprochen: Ein Non-Hodgkin-Lymphom war bei ihm diagnostiziert worden, das er nach einer Chemotherapie und Gentherapie besiegen konnte. „Es wird Zeit, dass ich wieder einen Film drehe“, sagte er im April dieses Jahres. Seinen letzten Auftritt hatte er in der Netflix-Miniserie „Untamed“.
Bescheidenheit und Hingabe zum Schauspiel
Sam Neill, 1947 in Nordirland geboren und in Neuseeland aufgewachsen, hätte sich selbst nie als Star bezeichnet. 60 Jahre lang stellte er sich in den Dienst des Materials – zunächst auf der Bühne, wo er als Literaturstudent in den 1960er Jahren mit dem Players’ Drama Quartet in zahlreichen Shakespeare-Stücken auftrat. Nach einem Umweg über das Fernsehen wechselte er ins Kino und drehte ohne persönliche Eitelkeiten für Regisseure wie Andrzej Żuławski, John McTiernan, Jane Campion und Steven Spielberg. In seinen Memoiren schrieb er über die Arbeit mit Campion: „Niemand nimmt dich besonders wahr, du wirst nicht für Preise nominiert. Aber du hast deinen Beitrag geleistet. Ich war bei einem wichtigen feministischen Film dabei. Ich war an vorderster Front in einem wichtigen neuseeländischen Film dabei. Keine dieser Bezeichnungen wird dem Film gerecht. Es ist ein Kunstwerk. Und schau mal, diese winzige kleine Figur im Stoff – siehst du sie dort unten rechts? – das bin ich. Es ist ein Film, der immer einen Platz in der Filmgeschichte haben wird. Und ich habe darin mitgewirkt.“
Durchbruch mit „Jurassic Park“ und „Das Piano“
1993 war das Jahr, in dem Neill mit dem Dinowunder „Jurassic Park“ und „Das Piano“ in Hollywood zum household name wurde. In Spielbergs Trilogie spielte er im ersten und dritten Teil den Paläontologen Alan Grant, einen Nerd im Indiana-Jones-Outfit, der im titelgebenden Dinopark eine Gruppe Kinder vor marodierenden Sauriern retten muss. Die Attraktion des Films waren jedoch nicht die menschlichen Stars, sondern die für damalige Verhältnisse spektakulären computergenerierten Dinosaurier. Neill gelang es dennoch, neben diesen Spezialeffekten ernsthaft zu bestehen. Mit „Das Piano“ gewann Campion 1994 den Drehbuch-Oscar; Neill spielte darin einen brutalen Kolonisator im Neuseeland des 19. Jahrhunderts, der eine stumme Witwe (Holly Hunter) heiratet. Die Dreharbeiten seien die einsamsten Monate seines Lebens gewesen, schrieb er in seiner Autobiografie, da sich Hunter am Set von ihm abkapselte. Regisseurin Campion habe ihn manchmal am Ende des Drehtags in den Arm nehmen müssen.
Werdegang von „Down Under“ nach Hollywood
Neill kam Ende der 1980er Jahre als einer der profiliertesten Darsteller von „Down Under“ nach Amerika. 1977 spielte er die Hauptrolle in dem Thriller „Schlafende Hunde“, der ersten Neuseeland-Produktion auf 35mm. In Australien übernahm er 1988 in dem auf wahren Begebenheiten basierenden Outback-Drama „Ein Schrei in der Dunkelheit“ die Rolle von Meryl Streeps Ehemann. Unvergesslich ist sein Auftritt in Andrzej Żuławskis Bodyhorrorfilm „Possession“ (1981), in dem er den Ehemann von Isabelle Adjani spielt. Im denkwürdigen Finale des bizarren Ehedramas gebärt der französische Filmstar ein Monster.
Vielbeschäftigt bis zuletzt
Im vergangenen Vierteljahrhundert blieb Neill vielbeschäftigt und tat sich vor allem als solider, von Kollegen geschätzter Charakterdarsteller hervor – unter anderem in der Serie „Peaky Blinders“ als sadistischer Chief Inspector Campbell. Neben der Schauspielerei engagierte er sich als Umweltaktivist und besaß ein ökologisch geführtes Weingut. In dem Journal „Thought Economics“ beschrieb er sein Lebensmotto: „Wir sollten uns zuerst als Menschen identifizieren, nicht über unsere Jobs. Ich bin Sam, und manchmal bin ich Schauspieler.“ Sam Neill bleibt als Mensch und als Schauspieler in Erinnerung.



