Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf steht zur Wahl als neues Unesco-Welterbe. Das Welterbekomitee der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) wird auf seiner Tagung Ende Juli im südkoreanischen Busan über die mögliche Aufnahme der Berliner Stätte in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt beraten. Deutschland hat die Waldsiedlung Zehlendorf vorgeschlagen, wie die Deutsche Unesco-Kommission am Donnerstag in Bonn mitteilte.
Entscheidung im Juli: 30 Stätten nominiert
Das Komitee tagt vom 19. bis 29. Juli in der südkoreanischen Stadt. Auf seiner 48. Sitzung will das Gremium über die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbeliste, den Erhalt und Schutz des Menschheitserbes sowie über die Weiterentwicklung des Programms beraten. Für die Unesco-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt sind den Angaben zufolge rund 30 Stätten nominiert. Auf der Liste des Unesco-Welterbes stehen derzeit 1.248 Kultur- und Naturstätten in 170 Ländern. 53 davon gelten als bedroht. Deutschland hat aktuell 55 Welterbestätten.
Waldsiedlung: „Bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens“
Die Waldsiedlung Zehlendorf gelte als bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens, so die Deutsche Unesco-Kommission. Die Wohnanlage im Südwesten Berlins soll als Teil der Siedlungen der Berliner Moderne anerkannt werden, die bereits seit 2008 zum Menschheitserbe gehören. Architekt Bruno Taut entwarf die Siedlung. Berlin kann sich bereits mit mehreren Unesco-Welterbestätten rühmen, darunter die Museumsinsel und mehrere Wohnsiedlungen der Berliner Moderne.
Weitere Nominierungen: Brasilien und Frankreich
Unter den Nominierungen sind den Angaben zufolge aus Brasilien auch das Teatro Amazonas in Manaus und das Teatro da Paz in Belém, die vom Kautschuk-Boom im Brasilien des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeugen. Auf Antrag Frankreichs wird das Komitee zudem über die Aufnahme der Alliierten-Landungsstrände von 1944 in der Normandie beraten.
Gefährdetes Welterbe: 53 Stätten bedroht
Das Unesco-Komitee prüft zudem den Erhaltungszustand von rund 150 Welterbestätten, insbesondere der 53 Orte, die zurzeit auf der Liste des gefährdeten Welterbes stehen, wie es hieß. Bedroht seien sie zum Beispiel durch Kriege, den Klimawandel, Naturkatastrophen und Baumaßnahmen. Das Komitee will auch über Programme und internationale Finanzierungsprojekte beraten, mit denen Staaten beim Schutz und Erhalt ihrer Welterbestätten unterstützt werden sollen.
Jährliche Entscheidungen des Komitees
Das Unesco-Welterbekomitee ist den Angaben zufolge das wichtigste mit der Umsetzung der Welterbekonvention betraute Gremium. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. In Deutschland gehören 37 Denkmäler dem Welterbe der Unesco an. In Berlin und Brandenburg sind es die Museumsinsel, sechs Wohnsiedlungen der Moderne sowie die Preußischen Schlösser und Parks im Südwesten der Stadt, die zum großen Denkmalbereich des Unesco-Welterbes rund ums Schloss Sanssouci in Potsdam gehören.



