100. Stolperstein in Berlin-Spandau erinnert an Familie Nansen
100. Stolperstein in Spandau für Familie Nansen

In Berlin-Spandau wird in dieser Woche der 100. Stolperstein verlegt. Die feierliche Verlegung findet an der Jüdenstraße 41 statt, einer Straße mit besonderer historischer Bedeutung. Die Nationalsozialisten hatten den Namen der Straße 1938 getilgt, erst 2002 erhielt sie ihn nach langen Diskussionen zurück. Historischen Aufzeichnungen zufolge lebten hier über Jahrhunderte zahlreiche jüdische Familien. Zudem befanden sich eine jüdische Schule, ein Friedhof und eine Synagoge in der Umgebung. Heute prägen das Café Lutetia, der Zugang zur großen Musikschule und die Zentrale der Evangelischen Kirche mit 40.000 Mitgliedern das Straßenbild. Auch das beliebte Open-Air-Kino grenzt mit seinem Hinterausgang an die Jüdenstraße.

Gedenken an Georg Nansen und seine Familie

Am Freitag, den 19. Juni, um 12 Uhr wird an den Spandauer Geschäftsmann Georg Nansen und seine Familie erinnert. Die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau hat die Geschichte der Familie erforscht. „Seine Frau Clara Nansen eröffnete am Markt ein Damenbekleidungsgeschäft und trug damit zum Lebensunterhalt der Familie bei“, berichtet die Werkstatt. Georg Nansen selbst war bis 1933 als Abteilungsleiter beim Kaufhaus Karstadt tätig, bevor er seine Stelle verlor.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde das Geschäft der Nansens am Marktplatz überfallen. Die Täter raubten Kleider und Mäntel, zerstörten Schaufenster und Inventar. Um seine Familie vor weiteren Repressalien zu schützen, ließ sich Georg Nansen 1939 von seiner nicht-jüdischen Ehefrau scheiden. Trotz der formalen Trennung hielten beide heimlich Kontakt. Im Jahr 1940 wurde die Beziehung denunziert. Bei einer Überprüfung durch die Polizei wurde Georg Nansen erschossen, als er versuchte, über den Balkon im dritten Stock zu flüchten.

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Hintergrund der Tat

Nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 galten Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden als „Rassenschande“ und waren strafbar. Die Polizei drang am 29. Dezember 1940 nach Hinweisen von Nachbarn in die Wohnung der Nansens ein. Georg Nansen, der über den Balkon fliehen wollte, wurde dabei erschossen.

Verlegung und Teilnehmende

Die Verlegung des Stolpersteins erfolgt durch Auszubildende des SOS-Kinderdorfs in Berlin-Gatow. Zur Veranstaltung werden Angehörige der Familie Nansen, Spandaus Bürgermeister Frank Bewig und Jugendstadträtin Tanja Franzke (beide CDU) erwartet. Die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau sammelt historische Gegenstände jüdischer Familien aus Spandau für Ausstellungszwecke. Gesucht werden insbesondere Erinnerungsstücke der Familie Nansen, wie Kleiderbügel aus dem ehemaligen Damenbekleidungsgeschäft.

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