Unternehmer Peter Löw aus Starnberg bietet eine Prämie von 500 Euro für die Taufe von Kindern unter drei Jahren an. Die Aktion namens 'Starnberger Schutzengel' richtet sich an Familien der katholischen Pfarreiengemeinschaft Starnberg. Löw, Vater von acht getauften Kindern, will damit ein Zeichen gegen den Mitgliederschwund setzen.
„Meine acht Kinder sind alle getauft. Ich habe mit jemandem aus dem Gemeinderat gesprochen. Er sagte, es habe in den letzten Monaten nur wenige Taufen gegeben. Da dachte ich mir: 'Wie soll es denn in Zukunft weitergehen?'“, sagte Peter Löw der „Bild“. Die Idee sei entstanden, um Familien einen kleinen Anstoß zu geben. „Wenn ein kleiner Beitrag dazu führt, dass Eltern einen kleinen Schubs bekommen und sich für die Taufe entscheiden, dann ist das doch etwas Schönes.“
Die Idee des Starnberger Unternehmers
Löw, der nach eigenen Angaben unter anderem mit Immobilien sein Geld verdient, bezeichnet die Aktion als „Zeichen der Verbundenheit mit der christlichen Gemeinschaft vor Ort“. In einer Mitteilung erklärte er, durch die Aktion werde „für die ersten 40 Täuflinge bis Ende 2026“ der „Grundstein für ein behütetes Aufwachsen“ gelegt. Ausgezahlt werden sollen die 500 Euro an Familien, deren Täuflinge nicht älter als drei Jahre und in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Starnberg gemeldet sind.
Neben dem Geld erhalten die Familien auch ein Stofftier und ein Evangelium. Löw betonte, dass die Aktion nicht als dauerhafte Maßnahme gedacht sei: „Am Ende des Jahres werden wir uns anschauen, ob die Aktion sinnvoll war oder nicht.“
Reaktion des Pfarrers
Der Starnberger Stadtpfarrer Andreas Jall reagierte zurückhaltend auf die Prämie. „Wir haben nichts davon“, sagte Jall der „Süddeutschen Zeitung“. Es solle „nicht so rüberkommen, dass wir hier Gläubige einkaufen“. Gleichzeitig zeigte er Verständnis für die Initiative: „Ich finde die Aktion toll, weil ich weiß, wie teuer das Leben hier sein kann.“ Jall betonte, dass die Kirche die Taufe nicht von finanziellen Anreizen abhängig mache und die Prämie von Löw unabhängig von der Pfarrei organisiert werde.
Hintergrund: Kirchenmitgliederschwund in Bayern
Auch im katholisch geprägten Bayern sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder kontinuierlich. Laut aktuellen Statistiken treten jedes Jahr Tausende aus der Kirche aus, insbesondere in wohlhabenden Gegenden wie dem Landkreis Starnberg. Die Aktion „Starnberger Schutzengel“ ist ein ungewöhnlicher Versuch, diesem Trend entgegenzuwirken, indem sie finanzielle Anreize für die Taufe schafft.
Kritiker sehen darin eine Kommerzialisierung des Glaubens, während Befürworter die praktische Unterstützung für junge Familien loben. In Starnberg, wo die Lebenshaltungskosten überdurchschnittlich hoch sind, können 500 Euro eine spürbare Entlastung darstellen. Löw hofft, dass die Prämie nicht nur die Taufe fördert, sondern auch langfristig die Bindung an die Kirche stärkt.
Ausblick und Evaluation
Löw plant, die Aktion nach einem Jahr zu evaluieren. Sollte sich zeigen, dass die Prämie tatsächlich zu mehr Taufen führt, könnte das Modell möglicherweise auf andere Gemeinden übertragen werden. Der Unternehmer betont jedoch, dass es ihm nicht um eine Massenbewegung geht, sondern um ein persönliches Zeichen: „Es geht darum, dass Kinder in einer Gemeinschaft aufwachsen, die Werte vermittelt.“
Die ersten Taufen unter der neuen Prämie werden in den kommenden Wochen erwartet. Die Pfarreiengemeinschaft Starnberg steht der Aktion offen gegenüber, möchte aber keine falschen Signale senden. „Wir freuen uns über jedes Kind, das getauft wird, aber der Glaube sollte aus Überzeugung kommen, nicht aus finanziellen Gründen“, so Pfarrer Jall abschließend.



