Der mutmaßliche Attentäter des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day (CSD), Abdul B., habe bei den Betreuern einen äußerst gefassten und freundlichen Eindruck hinterlassen. Das erklärte Thomas Mücke, Geschäftsführer der Organisation Violence Prevention Network (VPN), im ARD-„Brennpunkt“. Die Sozialarbeiter hätten „einen sehr gefassten, einen sehr vorsichtigen, einen sehr kontrollierten, einen sehr freundlichen Eindruck“ von dem 21-Jährigen gehabt. Mücke betonte: „Und das sind genau die Kriterien, wo wir halt merken, da kommen wir nicht wirklich an die Person heran.“
Hintergrund: Violence Prevention Network
Das Violence Prevention Network ist eine gemeinnützige Organisation in Deutschland, die sich auf Extremismusprävention spezialisiert hat. Sie begleitet Menschen, die sich islamistischen oder rechtsextremistischen Ideologien zugewandt haben, bei der Distanzierung und Deradikalisierung. Abdul B. war monatelang in Untersuchungshaft, bevor ihn ein Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten verurteilte.
Urteil und Berufung
Am 12. Mai sprach das Gericht Abdul B. „wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in einem Fall sowie der Zuwiderhandlung gegen ein vollziehbares Verbot nach dem Vereinsgesetz in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten“ frei. Der bestehende Haftbefehl wurde aufgehoben, „da die Untersuchungshaft vorrangig der Sicherung des Strafverfahrens dient und keine vorweggenommene Strafe darstellt“. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Generalstaatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt und eine höhere, nicht mehr bewährungsfähige Jugendstrafe sowie die Aufrechterhaltung des Haftbefehls beantragt.
In der Verhandlung zeigte sich Abdul B. „überwiegend geständig“ und distanzierte sich vom IS, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Der Fall sorgt weiterhin für Diskussionen über die Wirksamkeit der Deradikalisierungsarbeit und die Einschätzung von Gefährdern.



