Ein Jahrgang, der viel erlebt hat
17.000 junge Menschen haben in diesem Jahr in Berlin das Abitur bestanden – ein Rekord. Der Jahrgang 2026 musste sich mit Corona-Pandemie, Fluchterfahrungen und vielen weiteren Herausforderungen auseinandersetzen. Dennoch haben alle ihr Ziel erreicht. Drei von ihnen berichten von ihrem Weg.
Lolita Dovzhenko: Von Dnipro nach Berlin
Lolita Dovzhenko erinnert sich noch genau an den Sonntag im Jahr 2022. Damals war sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder aus der ukrainischen Stadt Dnipro geflohen. Sie kamen bei einer Berliner Familie unter. Lolita war 14 Jahre alt und hatte noch keinen Schulplatz. An jenem Sonntag klingelte bei ihrem Gastvater das Telefon. Es war die Schulbehörde, die einen Platz an einem Gymnasium anbot. „Ich war so erleichtert“, sagt Lolita. „Plötzlich hatte ich wieder eine Perspektive.“ Sie musste Deutsch lernen, sich in ein neues System einfinden und die traumatischen Erlebnisse der Flucht verarbeiten. Heute hat sie ihr Abitur in der Tasche – mit einem Notendurchschnitt von 1,8.
Krisenbewältigung als gemeinsames Erlebnis
Der Berliner Abiturjahrgang 2026 ist geprägt von außergewöhnlichen Umständen. Die Schülerinnen und Schüler erlebten die Corona-Pandemie in ihrer Grundschulzeit, später den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Fluchtbewegungen. Viele von ihnen mussten Freundschaften, Schulwechsel und familiäre Belastungen bewältigen. „Dieser Jahrgang hat eine besondere Resilienz entwickelt“, sagt Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch. „Sie haben gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen und sich immer wieder neu zu motivieren.“
Statistiken und Erfolge
Die Zahl der Abiturienten stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozent. 17.000 Absolventen sind ein Rekord für Berlin. Die Durchschnittsnote liegt bei 2,3, etwas schlechter als im Vorjahr (2,2). Experten führen dies auf die erschwerten Bedingungen während der Schulzeit zurück. Dennoch betont die Senatorin: „Die Ergebnisse sind beachtlich. Die Jugendlichen haben trotz aller Widrigkeiten hervorragende Leistungen gezeigt.“
Drei Schicksale, ein Ziel
Neben Lolita Dovzhenko haben wir zwei weitere Abiturienten getroffen. Der 18-jährige Max Mustermann (Name geändert) kämpfte mit Long-Covid-Symptomen, die ihn monatelang ans Bett fesselten. „Ich habe gedacht, ich schaffe es nicht“, sagt er. Mit Unterstützung von Lehrern und Freunden holte er den Stoff nach und bestand das Abitur mit einer 2,5. Die dritte im Bunde ist Anna Schmidt, die nach dem Tod ihrer Mutter im letzten Schuljahr Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen musste. „Ich habe nachts gelernt, wenn die Kleinen geschlafen haben“, erzählt sie. Ihr Abiturzeugnis zeigt eine 2,0.
Rekordjahrgang als Zeichen der Hoffnung
Der Rekordjahrgang 2026 ist mehr als eine Zahl. Er steht für die Fähigkeit junger Menschen, Krisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. „Diese Schülerinnen und Schüler haben gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen können – für sich selbst und für andere“, so Günther-Wünsch. Lolita Dovzhenko plant nun ein Studium der Medizin, um später in der humanitären Hilfe zu arbeiten. Max Mustermann möchte Informatik studieren, Anna Schmidt Lehramt. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind stolz auf das Erreichte und blicken optimistisch in die Zukunft.



