In Albanien haben sich Proteste gegen ein Luxusbauprojekt an der Adriaküste zu einer ernsthaften Bedrohung für die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama entwickelt. Seit mehr als einem Monat demonstrieren Tausende Menschen landesweit. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, und Eier flogen unter anderem auf das Auto eines Parlamentsabgeordneten.
Luxusresort in Naturschutzgebiet geplant
Auslöser der Wut ist ein geplantes Luxusresort im Südwesten Albaniens, das von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, initiiert wurde. Das vier Milliarden US-Dollar teure Projekt soll in einem Naturschutzgebiet entstehen, in dem laut Umweltschützern mehr als 200 Vogelarten heimisch sind, darunter Flamingos. Eine Übernachtung in dem Resort wäre für die meisten Albaner unerschwinglich.
Die Pläne wurden bereits 2024 vorgestellt, doch die aktuellen Proteste begannen, nachdem Ende Mai Zäune an den Stränden des Naturschutzgebiets errichtet wurden. Seither wächst der Unmut stetig.
Proteste weiten sich aus
Ursprünglich auf das Bauprojekt fokussiert, richten sich die Demonstrationen nun auch gegen Korruption, steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Renten und fehlende Perspektiven für junge Menschen. „Am besten wäre es, wenn unser Ministerpräsident zurücktritt. Das ist unser Ziel. Das würde der Sache ein Ende setzen“, sagte Aktivist Arnen Sula.
Die Antikorruptionsbehörde des Landes hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Projekt aufgenommen. „Diese Protestbewegung ist bereit, uns nach Europa zu bringen. Edi Rama hingegen ist es nicht – mit seiner Korruption und seiner Regierung, von der die Hälfte im Gefängnis sitzt“, so Sula weiter.
Regierung unter Druck
Die Proteste, die bereits als „Flamingo-Revolution“ bezeichnet werden, stellen die Regierung vor eine ernsthafte Bewährungsprobe. Zehntausende Albaner gehen auf die Straße. Regierungschef Rama reagierte mit scharfen Worten und pöbelte gegenüber Demonstranten. Ob die Proteste die Regierung ins Wanken bringen können, bleibt abzuwarten.



