Die Historikerin Anna von Villiez ist zur neuen Antisemitismusbeauftragten der Stadt Hamburg ernannt worden. Wie die Wissenschaftsbehörde mitteilte, hat die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Hamburger Volkshochschule das Auswahlverfahren für sich entschieden. Ihre Amtszeit beginnt mit sofortiger Wirkung und erstreckt sich über drei Jahre.
Verzögerung durch Gerichtsverfahren
Eigentlich hätte die Ernennung bereits früher erfolgen können, doch ein Mitbewerber zog vor das Hamburgische Oberverwaltungsgericht. Erst nach dessen Entscheidung stand der Weg für von Villiez frei. Die 1972 geborene Wissenschaftlerin leitet die Gedenk- und Bildungsstätte seit 2018. Zuvor war sie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit ethischen Fragen befasst und an der Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg tätig.
Statement der neuen Beauftragten
Nach ihrer Bestellung bedankte sich von Villiez für das Vertrauen und äußerte sich besorgt über die aktuelle Lage: „Jüdinnen und Juden müssen heute wieder ihre Identität in der Öffentlichkeit verbergen, aus Angst vor Anfeindungen.“ Sie kündigte an, sich dafür einzusetzen, „jüdisches Leben sichtbarer zu machen“. Ihre Arbeit soll dazu beitragen, Antisemitismus in der Hansestadt entgegenzuwirken.
Unterstützung aus Politik und Wissenschaft
Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) betonte die Bedeutung des Postens für die Bekämpfung von Antisemitismus. Von Villiez bringe „wissenschaftliche Expertise, eine starke Verankerung in der jüdischen Stadtgesellschaft und viel Erfahrung im Dialog mit den Bürgern in Hamburg“ mit. Auch die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken begrüßten die Ernennung ausdrücklich.
Vorgänger trat nach Anfeindungen zurück
Die Neubesetzung war nötig geworden, weil ihr Vorgänger Stefan Hensel sein Amt nach vier Jahren niedergelegt hatte. Hensel, der erst im November 2024 vom rot-grünen Senat für eine zweite Amtszeit bestätigt worden war, erklärte seinen Rücktritt mit den anhaltenden Belastungen: „Der zeitliche Aufwand und die anhaltende Konfrontation mit Hass und persönlichen Übergriffen sind für mich im Rahmen eines Ehrenamts nicht mehr vereinbar.“ Er wolle sich künftig „den positiven Seiten jüdischen Lebens widmen“.
Ausblick
Die neue Antisemitismusbeauftragte steht vor der Herausforderung, das Amt nach den Turbulenzen neu zu profilieren. Von Villiez betonte, sie wolle Brücken bauen und den Dialog fördern. Ihre wissenschaftliche Arbeit und ihre Erfahrung in der Bildungsarbeit sollen dabei helfen, antisemitischen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzutreten.



