Umarmungen, Tränen, Applaus: Argentinien-Pressekonferenzen sind eine Show! Gute Laune garantiert: Argentinien-Trainer Lionel Scaloni (48) Foto: Joao Bravo/Sports Press Photo/Shutterstock Matthias Marburg Atlanta 17.07.2026 – 04:26 Uhr
Ein deutsches Staunen über argentinische Pressekonferenzen
Ich muss es gestehen: Ich besuche gerne Pressekonferenzen der argentinischen Mannschaft. Vor allem nach Siegen geht es dort sehr bunt zu. Das hat aber weniger mit Nationaltrainer Lionel Scaloni (48) zu tun – ohne ihm seine Entertainer-Qualitäten absprechen zu wollen –, als vielmehr mit den anwesenden Journalisten. Denn die ticken gewaltig anders als die Kollegen, die ich sonst so aus Deutschland gewohnt bin.
Umarmungen und emotionale Wortmeldungen als Standard
Es fällt mir etwas schwer, mir vorzustellen, dass sich die deutsche Journaille in eine Schlange stellt, um dem Bundestrainer nach dem Ende einer Pressekonferenz um den Hals zu fallen. Noch nicht mal nach dem Erreichen eines WM-Finals (okay, dafür fehlt mir aktuell komplett die Fantasie). Die Argentinier machen es einfach, wie nach dem Sieg gegen England in Atlanta. Aber auch die Wortmeldungen während der Medien-Session sind großartig. Da wird gelegentlich weniger gefragt als vielmehr die eigenen Emotionen verarbeitet. Beispiele gefällig?
Der erste Kollege begann seine Eingabe nach dem England-Spiel mit „Ich möchte Dich umarmen“. Der Zweite ließ wissen, dass er „total aufgedreht sei“ und „Tränen in den Augen“ habe. Der Dritte lobte, dass ihm, selbst als erfahrenem Journalisten, bald die Adjektive ausgingen, um die Großartigkeit dieser Mannschaft und dieses Trainers zu beschreiben. Nummer vier sagte einfach: „Ich habe keine Frage, ich möchte Dich (in Argentinien duzen die Journalisten ihren Trainer) einfach nur festhalten. Das ist es, was jeder Mensch in unserer Heimat gerade machen will.“
Applaus und Umarmungen nach der Pressekonferenz
Nach der Pressekonferenz gab es Applaus. Und die eben erwähnte Warteschlange für die Umarmungen. Nun gut, werden Sie jetzt denken, nach so einem Einzug ins Finale herrscht schon mal emotionaler Ausnahmezustand, selbst bei Journalisten. Das ist richtig. Allerdings gibt es diese Ehrdarbietungen schon seit Beginn der WM. Da heißt es vor dem Formulieren einer Frage schon mal: „Du weißt, dass ich Dich bewundere?“ Oder: „Du hast uns auf der Pressetribüne schwitzen lassen – und wir haben noch nicht mal gespielt!“
Emotionale Momente mit Ex-Mitspielern
Lionel Scaloni wird von argentinischen Journalisten umarmt. Foto: marburg Martin Palermo, ein ehemaliger Mannschaftskollege aus aktiven Zeiten, meldete sich in einer Pressekonferenz mal mit tränenerstickter Stimme zu Wort: „Ich spreche nicht als Journalist mit dir, sondern als dein früherer Mitspieler. Meine Frage kommt aus dieser Zeit, aus den schönen Momenten, die wir bei Estudiantes geteilt haben: Hast du dir all das hier damals vorstellen können?“ Randnotiz: Scaloni hatte Palermo vorher nicht erkannt, war dann aber ebenfalls emotional angefasst.
Internationale Journalisten stimmen ein
Das Phänomen betrifft aber nicht nur Argentinier. Auch Journalisten aus dem Ausland stimmen in den Chor der Verzauberten mit ein. Der Brasilianer Djalma Feitosa Dias: „Ich will dich nicht mit einer Frage nerven. Ich will dir nur alles Glück der Welt wünschen, Papa.“ Und die deutschen Kollegen? Halten sich im Hintergrund. Und überlegen, ob sie wohl Jürgen Klopp umarmen. Sollte der Deutschland ins WM-Finale 2030 führen.
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