Autos als Waffen: Eine Chronik schwerer Taten in Deutschland seit 2016
Autos als Waffen: Chronik schwerer Taten seit 2016

Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin fuhr am 26. Juli 2026 ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Dabei kam eine Frau ums Leben, 16 weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Dieser jüngste Vorfall reiht sich ein in eine erschreckende Serie von Attacken, bei denen Autos als Waffen gegen unbeteiligte Menschen eingesetzt wurden.

Die jüngste Tat: CSD in Berlin

Der Vorfall ereignete sich am Rande der CSD-Feierlichkeiten in Berlin. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelt es sich um einen gezielten Angriff. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen noch. Die Tat erinnert an ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren, bei denen Fahrzeuge als Tatmittel dienten.

Eine traurige Bilanz seit 2016

Seit dem Jahr 2016 kamen in Deutschland mehr als 30 Menschen durch Angriffe mit Autos oder Lastwagen ums Leben. Die Motive der Täter reichen von islamistischem Terror über psychische Erkrankungen bis hin zu rechtsextremen Hintergründen. Eine Übersicht der folgenschwersten Taten:

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Berlin, Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – 19. Dezember 2016

Der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland forderte zwölf Todesopfer auf dem Weihnachtsmarkt. Der tunesische Attentäter Anis Amri lenkte einen gestohlenen Lastwagen in die Menschenmenge. Zuvor hatte er den polnischen Fahrer erschossen – das 13. Todesopfer. Amri, ein 24-jähriger Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wurde wenige Tage später auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen.

Magdeburg, Weihnachtsmarkt – 20. Dezember 2024

Der aus Saudi-Arabien stammende Taleb Al-Abdulmohsen raste mit einem PS-starken Mietwagen durch eine Lücke zwischen Betonabsperrungen auf den belebten Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben, Hunderte wurden verletzt. Im Juni 2026 wurde der 51-Jährige, der seit 2006 in Deutschland lebte und als Arzt gearbeitet hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte ein komplexes Motivbündel fest, darunter Rachefantasien gegenüber Deutschland und deutschen Behörden. Ein psychiatrischer Sachverständiger diagnostizierte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Trier, Fußgängerzone – 1. Dezember 2020

Ein 51-jähriger Deutscher steuerte seinen Geländewagen zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte Fußgängerzone. Er zielte bewusst auf Menschen und Gruppen. Sechs Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby, mehr als 20 wurden teils schwer verletzt. Aufgrund einer paranoiden Schizophrenie und Wahnvorstellungen wurde der Täter in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Leipzig, Zentrum – 4. Mai 2026

Ein 33-jähriger Deutscher fuhr in der Leipziger Innenstadt mit einem weißen Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der Täter wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Mannheim, Rosenmontagszug – 3. März 2025

Ein 40-jähriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz fuhr mit seinem Auto in den Rosenmontagszug in der Mannheimer Innenstadt. Zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen.

München, Zentrum – 13. Februar 2025

Der 24-jährige Afghane Farhad N. steuerte seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter starben, mehr als 40 Menschen wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 läuft der Prozess am Oberlandesgericht München.

Berlin, Kurfürstendamm – Juni 2022

Ein 29-jähriger Deutsch-Armenier fuhr mit dem Auto seiner Schwester in eine Schülergruppe aus Bad Arolsen (Hessen). Eine Lehrerin starb, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft fand keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund und ging von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Witzenhausen – Oktober 2021

In der nordhessischen Kleinstadt fuhr ein 31-jähriger Mann vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjähriges Mädchen starb im Krankenhaus. Das Gericht stellte eine paranoide Schizophrenie und Verfolgungswahn fest. Der Täter kam in ein psychiatrisches Krankenhaus.

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Volkmarsen – Februar 2020

Am Rosenmontag steuerte ein 29-jähriger Deutscher sein Auto absichtlich in die Menge bei einem Karnevalsumzug. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bottrop und Essen – Januar 2019

Kurz nach dem Jahreswechsel steuerte ein Rechtsradikaler sein Auto in beiden Städten in Feiernde, die er für Ausländer hielt. Es gab 14 Verletzte. Der Deutsche kam in die geschlossene Psychiatrie.

Münster, Zentrum – April 2018

Ein 48-jähriger Deutscher fuhr mit seinem Campingbus in eine Gruppe von Menschen vor einer Gaststätte und erschoss sich danach. Zwei Menschen starben, 20 wurden teils schwer verletzt. Die Polizei gab an, der Täter sei psychisch labil und suizidgefährdet gewesen.