Wenn Autos zu Waffen werden: Eine Chronologie schwerer Taten in Deutschland
Autos als Waffen: Chronologie schwerer Taten in Deutschland

Seit 2018 werden in Deutschland immer wieder Autos als Waffen gegen unbeteiligte Menschen eingesetzt. Die Täter kennen ihre Opfer in der Regel nicht. Mehr als 30 Menschen starben bei solchen Angriffen – zuletzt am Berliner CSD im Juni 2026. Die Motive sind sehr unterschiedlich: Sie reichen von politischem Extremismus über Rachefantasien bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen.

Eine erschreckende Bilanz

Schon vor dem jüngsten Angriff auf dem Berliner Christopher Street Day (CSD) im Juni 2026 gab es eine Reihe von folgenschweren Taten. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Fälle seit 2018 – vom islamistischen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche bis zur Amokfahrt in Leipzig.

Berlin: Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – 19. Dezember 2016

Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland steuerte der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen gestohlenen Lastwagen in den gut besuchten Weihnachtsmarkt. Zwölf Menschen starben, Dutzende wurden teils schwer verletzt. Den polnischen Fahrer des Lastwagens hatte Amri zuvor erschossen – damit forderte die Tat insgesamt 13 Todesopfer. Amri, Anhänger des Islamischen Staats (IS), floh zunächst, wurde aber wenige Tage später von italienischen Polizisten erschossen.

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Magdeburg: Weihnachtsmarkt – 20. Dezember 2024

Der Saudi-Araber Taleb Al-Abdulmohsen raste mit einem PS-starken Mietwagen durch eine Lücke zwischen Betonabsperrungen auf den belebten Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben, Hunderte wurden verletzt. Der 51-Jährige, der seit 2006 in Deutschland lebte und als Arzt im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter arbeitete, wurde im Juni 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts handelte er aus einem komplexen Motivbündel, zu dem Rachefantasien gegenüber Deutschland und deutschen Behörden gehörten. Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Trier: Fußgängerzone – 1. Dezember 2020

Ein 51-jähriger Deutscher fuhr mit seinem Geländewagen zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte Innenstadt. Er steuerte das Fahrzeug gezielt auf verschiedene Menschen und Gruppen zu, um möglichst viele zu töten. Sechs Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Mehr als 20 Menschen wurden teils schwer verletzt. Laut Gerichtsurteil litt der Mann an einer paranoiden Schizophrenie mit Wahnvorstellungen. Er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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Weitere Fälle: Leipzig, Mannheim, München, Berlin, Witzenhausen, Volkmarsen, Bottrop, Münster

Am 4. Mai 2026 steuerte ein 33-jähriger Deutscher in der Leipziger Innenstadt ein weißes Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen starben, weitere wurden verletzt. Die Ermittler gingen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der Täter wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. – Am 3. März 2025 fuhr ein 40-jähriger Deutscher in Mannheim in den Rosenmontagszug. Zwei Menschen kamen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen. – Am 13. Februar 2025 steuerte der 24-jährige Afghane Farhad N. seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern in München. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter starben, mehr als 40 Menschen wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 läuft der Prozess am Oberlandesgericht München. – Im Juni 2022 fuhr ein 29-jähriger Deutsch-Armenier am Berliner Kurfürstendamm mit dem Auto seiner Schwester in eine Schülergruppe aus Bad Arolsen. Eine Lehrerin starb, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft sah keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund und ging von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann kam in ein psychiatrisches Krankenhaus. – Im Oktober 2021 fuhr ein 31-jähriger Mann in Witzenhausen vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjähriges Mädchen starb im Krankenhaus. Das Gericht diagnostizierte eine paranoide Schizophrenie und Verfolgungswahn. – Im Februar 2020 steuerte ein 29-jähriger Deutscher in Volkmarsen sein Auto während eines Karnevalsumzugs absichtlich in die Menge. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. – Kurz nach dem Jahreswechsel 2019 steuerte ein Rechtsradikaler sein Auto in Bottrop und Essen in Feiernde, die er für Ausländer hielt. Es gab 14 Verletzte. Der Täter wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. – Im April 2018 fuhr ein 48-jähriger Deutscher in Münster mit seinem Campingbus in eine Menschengruppe vor einer Gaststätte und erschoss sich nach der Tat. Zwei Menschen starben, 20 wurden verletzt. Die Polizei sprach von psychischer Labilität und Suizidgefährdung.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Trotz der unterschiedlichen Motive gibt es Gemeinsamkeiten: Die Täter handelten meist allein, die Opfer waren zufällig ausgewählt. In vielen Fällen spielten psychische Erkrankungen eine zentrale Rolle. Die rechtlichen Konsequenzen reichten von lebenslanger Haft bis zur Unterbringung in der Psychiatrie. Die Angriffe zeigen, wie verwundbar öffentliche Räume sind und wie schwer es ist, solche Taten zu verhindern. Die Diskussion um Sicherheitsmaßnahmen – etwa Betonpoller oder verstärkte Polizeipräsenz – wird nach jedem Vorfall neu entfacht.