Der Gasthof „Zum Löwen“ im Oberallgäuer Lauben ist Geschichte. Trotz anhaltender Proteste von Denkmalschützern, Architekten und Bürgern begannen die Abrissarbeiten an dem über 600 Jahre alten Gebäude. Das im Kern aus dem Jahr 1394 stammende Haus galt vielen als Wahrzeichen des Ortes.
Die Gemeinde Lauben begründet den Abriss mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer Sanierung. Nach Angaben des Bürgermeisters Mathias Pfuhl hätte die Sanierung rund 20 Prozent mehr gekostet als ein Neubau. Zudem hätten sich weder Pächter noch Investoren gefunden, die bereit gewesen wären, das Gasthaus zu übernehmen.
Ein Gutachten eines Architekturbüros aus den Jahren 2021 bis 2023 hatte erhebliche Mängel festgestellt: unzureichende Deckenhöhen, drei unterschiedliche Fußbodenniveaus im Erdgeschoss, statische Probleme und einen stark sanierungsbedürftigen Zustand. Der Leerstand verursachte zudem laufende Kosten.
Kritik kommt unter anderem von Franz Schröck vom Architekturforum Allgäu. Er wirft der Gemeinde vor, sich nicht früh genug um eine Sanierung oder ein Nachfolgekonzept gekümmert zu haben. Er hätte sich einen Aufschub des Abrisses gewünscht, um alle Optionen zu prüfen, etwa die Gründung einer Bürgergenossenschaft.
Was auf dem freiwerdenden Areal entstehen soll, ist noch unklar. Der Gemeinderat ringt um eine konkrete Nutzung. Anwohnerin Agnes Strohwasser, die den Abriss als sehr traurig bezeichnet, wünscht sich einen neuen Ort der Begegnung, etwa einen Biergarten. Derzeit gebe es in Lauben keinen regelmäßigen Treffpunkt für Bürger.
Der Abriss des historischen Gasthofs wird von Denkmalpflegern aus ganz Bayern aufmerksam verfolgt, da das Gebäude als prägendes Beispiel historischer Wirtshauskultur galt. Bürgermeister Pfuhl hofft, dass nach Abschluss der Arbeiten wieder Ruhe einkehrt.



