Bayern gibt Picasso-Bronze zurück
Kurz vor der Sommerpause gelang den Münchner Staatsgemäldesammlungen ein Coup: Nach jahrelangen heftigen Streitigkeiten geben sie Picassos berühmte Bronze „Fernande“ an die Erben des verfolgten Kunsthändlers Alfred Flechtheim zurück. Gleichzeitig kündigte Bayern die Gründung eines „Zentrums für Provenienzforschung und Restitutionsfragen NS-Raubgut“ an – ein Schritt, der als Signal für die Schiedsgerichte gewertet wird.
Vom Ausbremser zum Vorbild
Bayern, das lange als Bremser in der Restitutionsfrage galt, zeigt sich nun als Vorreiter. Die Rückgabe der „Fernande“ ist ein Präzedenzfall, der die Debatte um NS-Raubkunst neu belebt. Die Staatsgemäldesammlungen hatten die Bronze über Jahrzehnte behalten, obwohl die Herkunft umstritten war. Alfred Flechtheim, der jüdische Kunsthändler, musste 1933 vor den Nazis fliehen; seine Sammlung wurde arisiert.
Neues Zentrum für Forschung und Gerechtigkeit
Das neue Zentrum soll die Aufarbeitung von NS-Raubgut systematisch vorantreiben. Es wird Provenienzforschung betreiben und Restitutionsfragen klären. Die Einrichtung wird vom Freistaat Bayern finanziert und soll als Modell für andere Bundesländer dienen. „Dies ist ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit“, erklärte ein Sprecher der Staatsgemäldesammlungen.
Signal für die Schiedsgerichte
Die Entscheidung Bayerns wird auch als Botschaft an die Schiedsgerichte für NS-Raubkunst verstanden. Bisher zögerten viele Museen, Objekte zurückzugeben. Mit der Rückgabe der „Fernande“ und dem neuen Zentrum setzt Bayern ein Zeichen: Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wird ernst genommen. Die Erben Flechtheims begrüßten die Entscheidung als „längst überfällig“.
Die „Fernande“ ist eine von Picassos frühen Bronzearbeiten und zeigt seine Geliebte Fernande Olivier. Das Werk war jahrzehntelang in München ausgestellt. Nun kehrt es in den Besitz der Familie zurück, die es einst verloren hatte.



