Rund 21 Stunden war Abdul Ballout auf der Flucht, dann erschossen ihn Polizisten am Samstagabend. Zuvor war er mit einem weißen Van im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. 29 Menschen wurden verletzt, eine Frau starb noch am Unfallort. Nun berichtet die Organisation Hateaid von einer Zunahme digitaler Gewalt gegen queere Menschen und Muslime.
Hateaid: Zwei Gruppen besonders betroffen
Die Organisation Hateaid meldet, dass die digitale Gewalt nach dem Anschlag sprunghaft angestiegen sei. Besonders betroffen seien queere Menschen und Muslime. Hasskommentare, Drohungen und Falschinformationen verbreiteten sich rasant in sozialen Netzwerken. „Wir beobachten eine koordinierte Kampagne, die beide Gruppen gegeneinander aufhetzen will“, so ein Sprecher von Hateaid. Die Organisation ruft zu Zivilcourage und konsequenter Anzeige bei der Polizei auf.
Ermittlungen: DNA-Spuren und Bekennervideo
Das Landeskriminalamt (LKA) hatte eine Überwachungskamera auf Ballouts Haustür gerichtet, die ihn noch etwa eine Stunde vor der Tat filmte. Die ausgewerteten DNA-Spuren aus dem Tatfahrzeug sind eindeutig und bestätigen Ballout als Fahrer. Zudem fanden Ermittler auf seinem Handy ein Bekennervideo, das die Tat dem Islamischen Staat (IS) zuordnet. Wie dieser Redaktion bestätigt wurde, haben zwei Cousins von Ballout für die Terrororganisation gekämpft. Diese Verbindungen werden nun intensiv geprüft.
Der mutmaßliche Attentäter war am Samstagabend mit einem weißen Van im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung ein und stellte den Flüchtigen nach 21 Stunden. Bei der Festnahme kam es zu einem Schusswechsel, bei dem Ballout getötet wurde.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zeigte sich erschüttert über die Tat und versprach eine lückenlose Aufklärung. „Wir werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit queerer Menschen und aller Berlinerinnen und Berliner zu gewährleisten“, erklärte sie. Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kondolierte den Angehörigen und kündigte eine Überprüfung der Gefährderansprache an. Queere Verbände forderten einen besseren Schutz von CSD-Veranstaltungen und ein entschlossenes Vorgehen gegen digitale Hetze.
Die Opferhilfeorganisation Hateaid richtete eine Beratungshotline für Betroffene digitaler Gewalt ein. „Die Welle des Hasses ist besorgniserregend. Wir appellieren an die Zivilgesellschaft, solidarisch zu sein und Hass im Netz nicht unwidersprochen zu lassen“, sagte eine Sprecherin. Die Polizei ermittelt in mehreren Fällen von Volksverhetzung und Bedrohung im Zusammenhang mit der Tat.



