Eine britische Studie in drei Krankenhäusern hat ergeben, dass Unisex-Toiletten eine deutlich höhere Keimbelastung aufweisen als reine Damentoiletten. Die Studienleiterin warnt daher vor einer vollständigen Umstellung auf Unisex-WCs in öffentlichen Bereichen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass drei Bauminister der Bundesländer planen, Damentoiletten abzuschaffen, um lange Warteschlangen bei Frauen auf Veranstaltungen zu verkürzen.
Buch „Die Damentoilette“ enthüllt wahre Geschichten
Das neue Buch „Die Damentoilette“ versammelt 22 persönliche Liebeserklärungen von Autorinnen an diesen besonderen Ort. Es beleuchtet, was wirklich auf dem Frauenklo passiert: von vertraulichen Gesprächen über emotionale Unterstützung bis hin zu kleinen Alltagsfluchten. Die Autorinnen beschreiben die Damentoilette als einen Raum der Solidarität, der Geborgenheit und der kurzen Auszeit vom gesellschaftlichen Druck.
Freundinnen über ihre Klo-Rituale
Lili (28) aus Hannover und Patricia (28) aus Berlin kennen sich seit der Grundschule und teilen unzählige gemeinsame Klo-Gänge. „Wenn ich an unsere frühen Party-Zeiten denke: Da musste man oft aufs Klo, weil wir als Teenies ziemlich viel getrunken haben“, sagt Patricia. „Dann ging es um Jungs-Storys: Wer flirtet mit wem, wer glotzt doof, all diese kleinen Befindlichkeiten.“ Lili ergänzt: „Das war höchst dramatisch. Der Ort, an dem alle sagten, wen man süß fand.“ Heute sei es eher Alltagskram: „Was ich beim Shoppen entdeckt, mir aber nicht gegönnt hab‘, weil ich zu geizig war.“ Patricia betont die soziale Funktion: „Bei der letzten Weihnachtsfeier musste ich mir eine Kollegin fürs Klo schnappen. Ich war überreizt von den vielen Leuten. Kurzes Tratschen im Waschraum mit einer vertrauten Person kann wie ein Ladegerät sein, mit dem man seine sozialen Batterien wieder auflädt.“
Die Damentoilette als Notaufnahme und Beichtstuhl
Laut dem Buch ist die Damentoilette mehr als ein Ort der Erleichterung. Autorin Katja Eichinger beschreibt: „Der Effekt war sofortig. Mein Körper entspannte sich. Der Gefahren-Radar fuhr herunter. Die Antennen, die ich sonst nur zu Hause einfuhr, schalteten auf Sendepause. Endlich in Sicherheit.“ Jovana Reisinger ergänzt: „Beistand leisten wir natürlich auch, wenn es sein muss. Bei manchen stabilisieren wir den Kreislauf (kaltes Wasser auf die Handgelenke, in den Nacken, ins Gesicht), bei anderen halten wir die Haare (ungern, aber ist schon in Ordnung), wir nähen schnell gerissene Träger oder verarzten kleinere Wunden.“
Spiegel und Masken auf der Damentoilette
Der Spiegel dient nicht nur der Schönheitskorrektur. Xiaochun Fan schreibt: „Wenn mir Frauen über Make-up reden, reden wir eigentlich über unser Verständnis einer Maske, die wir für uns selbst gewählt haben – Farbe, Glanz, Licht, Schatten und Konturen. Diese Details sind die kleinen Ordnungen, die wir schaffen und aufrechterhalten.“ Ilona Hartmann betont die Solidarität: „Selbst das unwirtlichste Rasthofklo durch ein Lächeln, ein Kompliment oder eine aufgehaltene Tür zur feinsten Damentoilette werden zu lassen, ist eine Form von Solidarität. Eine hässliche, grelle, stinkende, dreckige Toilette darf uns nicht trennen.“
Beichten und Wahrheiten im stillen Örtchen
Mareile Höppner beschreibt: „,Alles okay da drin?’ Nichts ist hier drinnen okay. Eine neue Weltordnung ist hier drin. Ein neuer Mensch. Erwachsen und doch dabei ertappt, an die Grenzen der eingebildeten Perfektion gestoßen zu sein.“ Gabriele von Arnim erinnert sich: „Dort konnte man bequem sitzen und einer völlig fremden Frau seinen Kummer anvertrauen, »ich mag ihn so« schluchzen und sich im Spiegel dabei beobachten, sich in der Szene bewundern und den Mann darüber ein bisschen vergessen.“
Körperlichkeit und Rückzugsort
Ubin Eoh schreibt: „In der »Welt da draußen« haben die Dringlichkeiten des weiblichen Körpers keinen Raum – wir halten zurück, kontrollieren, verstecken. Die Power der Seouler Damentoiletten liegt in der Geborgenheit, die sie uns schenken.“ Claire Beermann fasst zusammen: „Die Toilette ist ein Ort, an dem Frauen Luft schnappen. Wir tauchen dort ab, aber eigentlich tauchen wir auf. Es ist ein Ort nur für Frauen, aber zugleich der Ort, an dem man mal kurz nicht Frau sein muss, sondern Mensch sein darf.“



