Heißes Wetter und die Fußball-Weltmeisterschaft haben dem britischen Einzelhandel im Juni überraschend gute Geschäfte beschert. Die Umsätze stiegen um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistikamt ONS am Freitag in London mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang von 0,3 Prozent gerechnet. Die Daten deuten auf eine Belebung der Konjunktur hin und fügen sich in ein Bild verbesserter Verbraucherstimmung trotz der anhaltenden Sorgen über den Krieg im Iran.
Klimaanlagen, Kleidung und Fernseher stark nachgefragt
Die Briten kauften den Angaben zufolge mehr Klimaanlagen und Kleidung. Dies deckt sich mit den Angaben von Einzelhändlern. Der Elektronikhändler Currys berichtete von einer starken Nachfrage nach Fernsehern wegen der WM und einem sprunghaften Anstieg bei Ventilatoren und Klimageräten. Auch die Supermarktkette Sainsbury's sprach von einem verbesserten Geschäft dank der Hitzewelle.
Im Jahresvergleich deutliches Plus
Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Umsätze sogar um 4,2 Prozent zu. Hier war nur ein Plus von 2,3 Prozent erwartet worden. Ökonomen warnen jedoch vor zu viel Optimismus. Der Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Juni deute darauf hin, dass die Verbraucher trotz der gestiegenen Energiepreise seit dem Krieg im Iran weiter Geld ausgeben, sagte Ruth Gregory, stellvertretende Chefvolkswirtin für Großbritannien bei Capital Economics. „Da sich der Druck auf die Realeinkommen der Haushalte jedoch noch verstärken dürfte, erwarten wir nicht, dass diese Widerstandsfähigkeit von Dauer sein wird“, fügte sie hinzu.
Gemischtes Bild: Frasers warnt vor schwierigen Bedingungen
Für ein gemischtes Bild spricht auch die Warnung des Sports-Direct-Eigentümers Frasers. Der Konzern spüre weiterhin die Auswirkungen der schwierigen Handelsbedingungen und des gedämpften Verbrauchervertrauens. Zugleich gab es positive Konjunkturdaten: Die britische Inflation hatte sich im Juni verlangsamt, während sich die Lage am Arbeitsmarkt stabilisierte.
Unternehmensstimmung hellt sich unerwartet deutlich auf
Unterdessen hellte sich auch die Stimmung in den Unternehmen Großbritanniens im Juli unerwartet deutlich auf. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global stieg im Vergleich zum Vormonat um 2,8 Punkte auf 52,1 Punkte, wie S&P am Freitag in London laut einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg auf 49,8 Punkte erwartet. Der Indikator signalisiert so wieder ein Wirtschaftswachstum, da er über der Schwelle von 50 Punkten liegt.
Industrie und Dienstleistungen legen zu
In der Industrie und im Dienstleistungssektor verbesserte sich die Stimmung. Der entsprechende Unterindikator für Dienstleistungen stieg um 3,0 Punkte auf 51,8 Punkte. In der Industrie stieg der Wert um 0,3 Punkte auf 52,8 Punkte. „Der Optimismus der Unternehmen hinsichtlich des kommenden Jahres hat zugenommen, was auf eine gewisse Erleichterung angesichts der nachlassenden geopolitischen Spannungen während des Erhebungszeitraums und des damit verbundenen Rückgangs der Ölpreise zurückzuführen ist“, kommentierte Chris Williamson, Chefvolkswirt von S&P Global. „Doch angesichts der in den letzten Tagen erneut aufgeflammten Sorgen um den Nahen Osten ist eine anhaltende Abkühlung bei den Preisdaten und eine Erholung des Unternehmensvertrauens keineswegs gesichert.“



