DDR-Konsum: Tauschhandel und Intershops prägten den Alltag
Der Historiker Clemens Villinger hat untersucht, wie der Konsumalltag in der DDR die Menschen bis heute beeinflusst. Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt er: „Im Westen brauchte man nur Geld, um etwas zu kaufen, im Osten auch gute Kontakte.“ Diese Erfahrung habe die Ostdeutschen nachhaltig geprägt.
In der DDR war der Zugang zu vielen Produkten nicht allein über Geld geregelt. Wer beispielsweise Frühstückseier gegen Gemüse tauschte oder im Intershop Westprodukte erwarb, musste Beziehungen nutzen. Villinger betont, dass diese Mangelwirtschaft ein spezifisches Konsumverhalten erzeugte, das sich von der westlichen Geldwirtschaft unterschied.
Annäherung der Konsumgewohnheiten nach der Wiedervereinigung
Heute habe sich das Einkaufsverhalten in Ost- und Westdeutschland weitgehend angeglichen, so Villinger. „In den meisten Bereichen würde ich sagen ja, das hat sich angeglichen.“ Dennoch blieben Unterschiede im Umgang mit Geld, Sparen und der Bewertung von Produkten bestehen.
Diese Unterschiede könnten laut Villinger auch politische Auswirkungen haben. Die Erfahrung von Knappheit und die Notwendigkeit von Netzwerken habe in Ostdeutschland eine andere Einstellung zu Marktwirtschaft und Staat hervorgebracht, die sich unter anderem in der höheren Zustimmung zur AfD zeige.
Historische Prägung als Erklärung für politische Einstellungen
Villinger sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der DDR-Vergangenheit und heutigen politischen Präferenzen. Die AfD profitiere von einem Gefühl der Benachteiligung und dem Wunsch nach einfachen Lösungen, das in der DDR-Erfahrung wurzele. „Die Menschen hatten gelernt, dass man mit Beziehungen weiterkommt, nicht mit Leistung allein“, so der Historiker.
Diese kollektive Erfahrung habe eine Skepsis gegenüber westlichen Institutionen und der Marktwirtschaft hinterlassen. Die AfD greife dieses Misstrauen auf und biete eine vermeintliche Rückkehr zu klaren Verhältnissen, was besonders in Ostdeutschland verfange.



