Restauratorin untersucht 117 Jahre alte Dino-Skulpturen in Hagenbeck
Dino-Skulpturen in Hagenbeck: Restauratorin untersucht sie

Im Hamburger Tierpark Hagenbeck untersucht Restauratorin Christiane Maier derzeit die historischen Dinosaurier-Skulpturen. Mit einem Skalpell in der Hand nähert sich die 54-Jährige dem 117 Jahre alten Allosaurus und löst vorsichtig eine Schicht ab, die in den 1980er Jahren aufgetragen wurde. „Man sieht, es ist darunter durchfeuchtet“, erklärt Maier. Sie sucht nach Farbresten, um die ursprüngliche Oberfläche zu rekonstruieren.

Zustand der Skulpturen

Der Allosaurus ist eine von zwölf Dinosaurier-Skulpturen im Wasser oder an Land, die seit Generationen zum Hagenbeck-Besuch gehören. Der Zahn der Zeit hat an den denkmalgeschützten Riesen genagt; viele Risse sind sichtbar. Eine Restaurierung sei unausweichlich, so der Tierpark. Maier streicht unterhalb des Mauls mit den riesigen weißen Zähnen über das historische Modell. „Hier hat sich durch die Feuchtigkeit, die überall eindringt, schon die erste Putzschicht abgelöst“, sagt sie. Es gebe Stellen, an denen es noch schlimmer sei.

Untersuchung als Musterfall

Maier untersucht den Allosaurus am Orang-Utan-Haus als eine Art Muster. Sie prüft, welche Materialien verwendet wurden und wie die Standfestigkeit des Modells ist. Ziel ist es, den Aufwand und die Kosten einer Restaurierung zu ermitteln. Sie fotografiert Details und erfasst Schäden digital. Ein Konzept wird erarbeitet, und der Tierpark will in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt über das weitere Vorgehen entscheiden.

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Auf dem Boden liegen durchsichtige Plastikbeutel mit kleinen abgebrochenen Einzelteilen, die die Restauratorin neben der Figur gefunden hat. „Man kann das wieder zusammenpuzzeln“, sagt sie, während sie ein Stück Zement mit roten Farbresten begutachtet. Hagenbeck-Mitarbeiter legen derweil das Fundament der Figur frei.

Geschichte der Dinosaurier-Skulpturen

Der Tierpark in Hamburg-Stellingen wurde 1907 eröffnet. Die großen Dinosaurier-Plastiken wurden 1908 von Tierparkgründer Carl Hagenbeck (1844-1913) in Auftrag gegeben. „Carl Hagenbeck hat sich von klein auf für Reptilien interessiert“, sagt Archivar Herman Reichenbach. Bei Besuchen in London habe Hagenbeck die Dinosaurier-Figuren im Crystal Palace Park gesehen. Der Tierparkgründer glaubte an das Überleben von Dinosauriern und finanzierte 1909 eine Afrika-Expedition, um Berichten über ein Lebewesen in der Art des Brontosaurus nachzugehen.

„Dann hat er sich gedacht: Wenn ich schon keinen lebenden Dinosaurier habe, dann will ich zumindest künstliche“, so Reichenbach. Der Erhalt dieser Unikate sei dem Tierpark sehr wichtig. Der Kölner Bildhauer Josef Pallenberg stellte die Modelle im Winter 1909/10 fertig. Grundlage der Skulpturen – vom Diplodocus über Triceratops bis zum Stegosaurus – waren wissenschaftliche Erkenntnisse wie Abbildungen von Skeletten und Rekonstruktionen aus naturgeschichtlichen Museen.

Bombenschäden und frühere Restaurierungen

Bis zum Ersten Weltkrieg fuhr eine Miniatureisenbahn um den Dinosaurierteich. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Figuren 1943 von Bomben beschädigt. Die schlimmsten Schäden wurden 1948 dank Spenden behoben. Seither wurden die Figuren mehrfach restauriert. Eine Beschilderung beschreibt die einzelnen Tiere im Detail, ihre Verhaltensweisen und anatomischen Besonderheiten.

Offene Fragen und Ausblick

Restauratorin Maier muss in den kommenden Wochen noch einige Geheimnisse lüften. Es gibt zwar Schwarz-Weiß-Fotografien der Anfangszeit, aber wichtige Informationen fehlen. „Wir wissen noch nicht einmal, ob er hohl ist“, erklärt Maier über den Allosaurus. Die Untersuchung solle behutsam laufen. „Wir tasten uns ran.“ Ziel sei es, dass der Dinosaurier wieder schön und möglichst original aussehe. Die Arbeiten sind für Maier etwas Besonderes: „Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Menschen damals Dinosaurier vorgestellt haben.“ Die Skulpturen in solcher Größenordnung seien weit über Hamburg hinaus bekannt.

Mit dem Finger gleitet Maier über das gelbe Auge des Urzeit-Giganten. „Wenn man ganz nah rangeht, sieht man, dass es da noch ganz andere Blautöne gab“, stellt sie fest. Sie zeigt auf eine schwarze Ecke im Mundwinkel des Allosaurus: „Wir wissen noch gar nicht, was das ist. Wir müssen das im Labor untersuchen.“ Ihr erstes Fazit: „Es ist einiges dran zu tun.“

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