Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) meldet in seinem jüngsten Wochenbericht zu Infektionskrankheiten drei Vibrionen-Infektionen im Jahr 2026, darunter einen Todesfall. Zwei der drei betroffenen Personen haben sich vermutlich durch Wund- oder Hautkontakt mit Meer- oder Brackwasser in Mecklenburg-Vorpommern infiziert, wie der Bericht zeigt. Zuvor hatte die „BZ“ über den Vorfall berichtet.
Alle Infizierten über 75 Jahre und mit Wundinfektionen
Bei allen drei Betroffenen handelt es sich um Wundinfektionen, die in zwei Fällen zu einer Sepsis führten – in einem Fall mit tödlichem Ausgang. Die Patienten waren alle älter als 75 Jahre und gehören damit zur Risikogruppe. Dazu zählen laut Lageso insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Leber- oder schweren Herzerkrankungen. Offene Wunden erhöhen das Ansteckungsrisiko zusätzlich.
Vibrionen vermehren sich bei hohen Wassertemperaturen
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommen. Mit sommerlicher Hitze steigt das Risiko für Infektionen an Nord- und Ostsee. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) können sich Vibrionen bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius stark vermehren. Besonders flache, sich schnell erwärmende Küstenbereiche sind betroffen. Die Ostsee gilt aufgrund ihres niedrigen Salzgehalts als besonders gefährdete Region.
Früher Saisonstart 2026 durch warmes Wetter
Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet das Lageso eine ungewöhnlich frühe Saison für Vibrionen-Infektionen: Im gesamten Jahr 2025 gab es nur zwei Fälle, in den Jahren 2023 und 2024 jeweils fünf. Bis zur 29. Kalenderwoche 2026 wurden bereits drei Infektionen registriert – im Mittel der Vorjahre lag die Zahl zu diesem Zeitpunkt bei lediglich einer. Die frühe Zunahme wird auf die hohen Temperaturen und die dadurch bedingte frühzeitige Erwärmung der Küstengewässer zurückgeführt.
Schutzmaßnahmen für Risikogruppen
Das RKI und das Lageso empfehlen Risikogruppen, bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius und insbesondere an der Ostsee auf das Baden zu verzichten, falls offene Wunden oder Hautverletzungen bestehen. Bei Symptomen wie Rötungen, Schwellungen oder Fieber nach einem Badeausflug sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Die Behörden beobachten die Lage weiter und werden über den weiteren Verlauf der Saison informieren.



