Junge Erwachsene besonders betroffen
Einsamkeit ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Laut einer repräsentativen Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fühlen sich derzeit 35 Prozent der 18- bis 29-Jährigen häufig oder sehr häufig einsam. Bei den über 65-Jährigen sind es mit 18 Prozent deutlich weniger. „Die Zahlen sind alarmierend, vor allem bei der jungen Generation“, sagte DIW-Forscherin Dr. Anna Müller. „Die Pandemie hat bestehende Probleme verschärft, aber der Trend war schon vorher erkennbar.“
Ursachen und Folgen
Als Hauptgründe nennen die Befragten fehlende soziale Kontakte im Berufsleben und die zunehmende Digitalisierung des Alltags. „Viele junge Menschen arbeiten im Homeoffice und haben weniger Gelegenheit für persönliche Begegnungen“, erläutert Müller. Die Studie zeigt auch, dass Einsamkeit das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen um 25 Prozent erhöht. Die Forscher appellieren an die Politik, mehr in Begegnungsstätten und psychologische Beratung zu investieren.
Reaktionen aus der Politik
Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) kündigte an, das Thema zur Priorität zu machen. „Einsamkeit ist kein individuelles Schicksal, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Wir werden die Förderung von Mehrgenerationenhäusern und digitalen Kompetenzzentren ausbauen.“ Die Opposition forderte hingegen mehr direkte Hilfen für Betroffene. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge, schlug ein „Einsamkeitstelefon“ nach britischem Vorbild vor.
Internationaler Vergleich
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. In skandinavischen Ländern sei das Phänomen weniger ausgeprägt, was auf eine stärkere Gemeinschaftskultur zurückgeführt wird. Die Studie empfiehlt daher eine „Kultur des Miteinanders“ zu fördern – etwa durch Nachbarschaftsinitiativen und lokale Events.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen: Einsamkeit ist ein wachsendes Problem, das nicht unterschätzt werden darf. Vor allem junge Menschen brauchen gezielte Unterstützung, um soziale Isolation zu vermeiden. Die Politik ist nun gefordert, wirksame Maßnahmen umzusetzen.



