Ein mutiger Schritt in der Welt des Profisports: Der frühere Rugby-League-Spieler Kane Evans (34) hat sich öffentlich als homosexuell geoutet. In der australischen Sportsendung „100% Footy“ sprach der ehemalige Spieler der National Rugby League (NRL) offen über seinen jahrelangen inneren Kampf. Evans ist erst der zweite Profi in der Geschichte der NRL, der diesen Schritt geht – mehr als 30 Jahre nach Ian Roberts im Jahr 1995.
Erfolgreiche Karriere, schwere innere Kämpfe
Sportlich war Evans erfolgreich: Er absolvierte 131 Spiele in der NRL für die Sydney Roosters, Parramatta Eels und New Zealand Warriors, später spielte er für Hull FC in England. Doch privat führte er jahrelang ein Doppelleben. „Seit ich ungefähr 15 Jahre alt bin, führe ich einen Krieg in mir – und das ist auf Dauer nicht auszuhalten“, sagte Evans in der Sendung.
Drogen, Obdachlosigkeit und Suizidgedanken
Was er beschreibt, ist erschütternd: Drogenprobleme, Obdachlosigkeit und massive psychische Krisen begleiteten ihn. Nach dem Ende seiner Karriere plante er sogar, sich das Leben zu nehmen. „Ich hatte drei Ziele: in der NRL zu spielen, meinen Eltern ein Haus zu kaufen – und mir danach das Leben zu nehmen. Ich habe von klein auf in Verleugnung gelebt. Ich weiß, dass ich schwul bin. Aber ich bin jeden anderen Weg gegangen, um diese Mauern hochzuziehen. Um irgendwer zu sein. Um dem zu entkommen, wer ich bin“, gestand Evans.
Erpressung und Scham
Besonders schlimm war, dass seine Sexualität immer wieder als Druckmittel benutzt wurde. „Über die Jahre, immer wenn ich diesen Weg gehen wollte, haben mich Leute erpresst. Manche wollten mich bloßstellen, andere ihre eigenen Probleme abwälzen, indem sie mich outeten. Das hat in mir sehr viel Scham, Angst und Schuld aufgebaut“, erklärte der 34-Jährige.
Rettung durch Unterstützer
Dass Evans heute lebt und sprechen kann, verdankt er auch zwei Menschen. Der Ex-Profi Joe Galuvao sagte ihm einst: „Du verdienst ein gutes Leben, und du verdienst Heilung.“ Sein früherer Trainer Trent Robinson half ihm konkret: Er holte ihn nach einer Reha zurück ins Klubhaus, organisierte psychologische Unterstützung und bezahlte vier Wochen Miete aus eigener Tasche.
Ein neues Lebensgefühl
Heute sagt Evans: „Jetzt, da ich darüber gesprochen habe, habe ich all diese Ketten gesprengt. Angst, Scham, Schuld – mit all dem habe ich gebrochen. Ich fühle Frieden in mir.“ Sein Coming-out ist ein starkes Signal in einer Sportwelt, die lange von Härte und Männlichkeitsklischees geprägt war. Vielleicht ist es der Anfang für viele andere, die noch im Verborgenen leben müssen.



