Fast 100 Badetote im Juni: DLRG warnt vor Risikogruppe junger Männer
Fast 100 Badetote im Juni: DLRG warnt vor Risikogruppe

Im Juni 2026 sind in Deutschland mindestens 99 Menschen in Gewässern ums Leben gekommen – die höchste Zahl an Badetoten in einem Juni seit dem Hitzesommer 2003, als 107 Menschen ertranken. Das teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit. Besonders betroffen sind junge Männer: Über 90 Prozent der Todesopfer im Juni waren männlich, unter den jungen Leuten sogar alle.

Hitzewelle treibt Zahl der Ertrunkenen in die Höhe

Die extreme Hitzewelle im vergangenen Monat führte zu einem dramatischen Anstieg der Badeunfälle. Laut DLRG-Statistik kamen im gesamten Jahr 2025 insgesamt 393 Menschen in Deutschland durch Ertrinken ums Leben. DLRG-Präsidentin Ute Vogt zeigte sich besorgt: „Der tragische Start in die Badesaison gibt Anlass zur Sorge, dass bei weiteren Hitzewellen im Hochsommer erneut viele Menschen ihr Leben im Wasser verlieren könnten.“ Die DLRG, nach eigenen Angaben die größte Wasserrettungsorganisation der Welt mit knapp 630.000 Mitgliedern, rief zum Beginn der Sommerferien in mehreren Bundesländern dazu auf, Gefahren am Wasser nicht zu unterschätzen.

Männer als Hauptrisikogruppe: Selbstüberschätzung und riskantes Verhalten

Die Statistik zeigt eine klare Geschlechterverteilung: „Über 90 Prozent der Todesopfer im Juni waren männlich; unter den jungen Leuten sogar alle“, sagte Vogt. „Wir appellieren deshalb besonders an Jungen und Männer, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und auf riskante Aktionen zu verzichten. Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen – aber das Leben zu verlieren.“ Im Jahr 2025 waren vier von fünf Ertrunkenen männlich.

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Psychologe Florian Stoeck vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen bestätigt: „Männer schätzen ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Kontrolle über potenziell gefährliche Situationen im Vergleich häufig optimistischer ein.“ Allerdings ließe sich die Häufung männlicher Badetoter nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren. „Auch andere Rahmenbedingungen dürften eine Rolle spielen: Männer schwimmen häufiger allein und gehen vermutlich höhere Risiken ein“, so Stoeck.

Junge Erwachsene besonders gefährdet – viele Opfer unter 30

Die meisten Opfer im Juni waren jung: 40 von ihnen waren nicht älter als 30 Jahre. Mindestens 35 Verunglückte waren über 50 Jahre alt. Die tödlichen Unglücke ereigneten sich überwiegend in Seen und Flüssen; in Schwimmbädern, Kanälen und im Meer starben weniger Menschen. Die DLRG-Analyse zeigt bekannte Muster: Viele Menschen unterschätzen Strömungen und Temperaturunterschiede beim Sprung ins Wasser. Hinzu kommen schlechte Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Sprünge in zu flache und trübe Gewässer sowie medizinische Notfälle.

Bundesländer im Vergleich: Nordrhein-Westfalen und Bayern mit den meisten Toten

Nordrhein-Westfalen verzeichnete im Juni mit 22 Badetoten die meisten Todesopfer, ein deutlicher Anstieg gegenüber 12 im Vorjahresmonat. Bayern folgte mit 21 Opfern (Vorjahr: 22), Baden-Württemberg mit 13. Die DLRG mahnt zu erhöhter Vorsicht in den kommenden Wochen: Wer Abkühlung sucht, sollte nur an bewachten Badestellen schwimmen, nie überhitzt ins Wasser springen, sich vorher abkühlen, Strömungen und unbekannte Gewässer meiden und nie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss schwimmen. Zudem sollten Kinder stets beaufsichtigt, beim Paddeln oder Surfen Schwimmwesten getragen und ausreichend getrunken werden, um Überhitzung zu vermeiden.

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