Knapp zwei Monate nach der ersten Ankunft eines an Ebola erkrankten US-Amerikaners ist ein zweiter mit dem Virus infizierter US-Bürger zur Behandlung nach Deutschland geflogen worden. Die Person sei in der Nacht auf dem Frankfurter Flughafen gelandet und dann in die Universitätsklinik der hessischen Stadt gefahren worden, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte zuvor mitgeteilt, dass ein US-Staatsbürger betroffen sei, der für eine humanitäre Organisation in der Demokratischen Republik Kongo arbeite. Die Person wurde demnach positiv auf die dort derzeit grassierende Bundibugyo-Variante des Virus getestet.
Stabiler Zustand in der Sonderisolierstation
Die Universitätsmedizin Frankfurt teilte am Morgen auf Anfrage mit, dass die Person „entsprechende Krankheitssymptome“ aufweise. Der Transport sei reibungslos verlaufen, sagte Timo Wolf, Leiter der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger. „Der Zustand der Person ist derzeit stabil.“
Herausforderungen bei Bundibugyo-Virus
Ebola-Fieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus kann durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden. In der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika, wo die beiden infizierten US-Bürger tätig waren, ist der jüngste Ebola-Ausbruch besonders schwer einzudämmen. Einer der Gründe: Für den grassierenden Bundibugyo-Typ gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine etablierte Therapie. Derzeit rekrutieren Experten Patienten für eine Medikamentenstudie. Erprobt werden sollen der antivirale Wirkstoff Remdesivir und der Antikörpercocktail MBP134. In Tierversuchen habe sich gezeigt, dass die beiden Präparate gegen das Bundibugyo-Virus wirksam seien, sagte Laurens Liesenborghs vom Institut für Tropenmedizin in Antwerpen, der an der Studie mitarbeitet, laut einem Bericht des „Guardian“.
Der aktuelle Ausbruch sei lange unerkannt geblieben, weil Tests bisher auf das Zaire-Ebolavirus ausgelegt waren, erklärt das Science Media Center (SMC) in Köln. Nun gebe es aber einen Test, mit dem auch das Bundibugyo-Virus in Blutproben von Verdachtspersonen schnell und zielgenau nachgewiesen werden könne. „Man sieht deutliche Fortschritte beim Kartieren des Infektionsgeschehens“, sagte Martin Grobusch, Leiter des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin an der Universität Amsterdam dem SMC. Die konkrete Zahl der identifizierten Kontaktpersonen, die ein Risiko haben, sich beim Kontakt angesteckt zu haben, werde immer klarer. „Beinahe alle Kontakte zu finden, wird am Ende den Unterschied machen, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen.“
Erster Patient aus Charité entlassen
Für Transporte von Ebola-Patienten werden normalerweise Spezialflugzeuge eingesetzt. In Deutschland kommen die Patienten auf Sonderisolierstationen. Dabei handelt es sich um eine geschlossene, geschützte und vom regulären Klinikbetrieb getrennte Einheit, so dass Kontakt zu anderen Patienten ausgeschlossen werden kann. Laut Bundesgesundheitsministerium besteht daher weder für die Bevölkerung noch für andere Patienten Gefahr. Der amerikanische Arzt, der am 20. Mai nach Deutschland gekommen war, wurde in die Berliner Charité aufgenommen. Nach gut zweiwöchiger Behandlung wurde er aus dem Krankenhaus entlassen.
Auch seine Frau und seine vier Kinder kamen als „Hochrisikokontakte“ in die Charité, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. Bei Kindern könne Ebola „sehr rasch“ zum Tode führen, sagte damals Charité-Arzt Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin.
Erster Fall in Europa in Frankreich
Ende Juni war das Bundibugyo-Virus erstmals in Europa nachgewiesen worden. In Frankreich wurde ein aus dem Ostkongo zurückgekehrter Arzt einer humanitären Organisation positiv getestet. Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums wurde der Mann unmittelbar nach seiner Ankunft isoliert. Anfang Juli wurde er nach negativen Tests und ohne Symptome aus dem Krankenhaus entlassen.
Mehr als 700 Todesopfer im Kongo
In der Demokratischen Republik Kongo gibt es nach Behördenangaben vom Montag inzwischen 702 bestätigte Todesfälle, 1.926 Fälle wurden bis Sonntag im Labor nachgewiesen. Nach Angaben der kongolesischen Regierung gelten 318 Patientinnen und Patienten als genesen. Aktuell werden 753 Menschen in Krankenhäusern oder Isolierstationen behandelt. Gesundheitsexperten zufolge stiegen die Fallzahlen bei keinem früheren Ebola-Ausbruch so schnell an wie während der derzeitigen Epidemie.
In den Jahren 2014 bis 2016 waren bei der bisher schwersten Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Schon damals wurden drei Ebola-Kranke zur Behandlung nach Deutschland gebracht: Ein Mediziner aus Uganda wurde in Frankfurt behandelt, ein Mann aus dem Senegal in Hamburg; ein UN-Mitarbeiter, der in Leipzig behandelt wurde, überlebte die Krankheit nicht.



