Das US-Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht erneut Ziele in Iran attackiert. Es ist bereits die vierte Angriffswelle, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten. Die Streitkräfte hätten am späten Abend deutscher Zeit damit begonnen, weitere Angriffe auf Iran durchzuführen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Iran solle so in seiner Fähigkeit eingeschränkt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu attackieren.
US-Angriffe auf Raketenstellungen und Revolutionswächter-Boote
US-Medien hatten zuvor bereits von US-Angriffen auf Ziele in Iran berichtet. Die Attacken hätten sich gegen Raketenstellungen und Anlagen zur Flugabwehr gerichtet, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Zudem seien Boote der iranischen Revolutionswächter angegriffen worden. Aus Iran selbst hieß es, bei den US-Angriffen in der Nacht zu Montag sei ein Mensch im Südwesten des Landes getötet worden. Vier weitere seien verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Behördenvertreter der Provinz Chusestan. Die US-Angriffe richteten sich den Angaben zufolge gegen die Stadt Mahschahr.
UN-Generalsekretär zeigt sich tief besorgt
UN-Generalsekretär António Guterres teilte auf der Plattform X mit, er sei zutiefst besorgt über die „erhebliche Eskalation“. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft. „Ich rufe Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen.“
Ölpreise steigen deutlich – Sorge um Energielieferungen
Die Sorge vor einer Gefährdung der Energielieferungen durch die Straße von Hormus hat die Ölpreise am Montag in die Höhe getrieben. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 3,3 Prozent auf 78,50 Dollar. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg um 3,4 Prozent auf 73,83 Dollar. Am Wochenende hatte Teheran seine Angriffe auf Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeweitet, während die USA weitere Schläge gegen Iran flogen. US-Präsident Donald Trump sagte am Sonntag, die Straße von Hormus sei für den kommerziellen Verkehr geöffnet. Iran hatte jedoch erklärt, die Meerenge geschlossen zu haben, nachdem ein Schiff auf einer nicht genehmigten Route unterwegs war und getroffen wurde. Am Sonntag durchfuhren nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler nur sechs Schiffe die Meerenge, die niedrigste Zahl seit fünf Wochen.
Diplomatische Bemühungen massiv infrage gestellt
Die eskalierenden Angriffe stellen die Zukunft eines im vergangenen Monat unterzeichneten vorläufigen Abkommens zwischen den USA und Iran massiv infrage. Das Regime in Teheran ließ am frühen Montagmorgen verlauten, die jüngsten Angriffe hätten „die diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichtegemacht“. Das Verteidigungsministerium in Kuwait hatte zuletzt mitgeteilt, dass drei Grenzposten und eine Offshore-Ölplattform angegriffen worden seien, mutmaßlich von Iran. „Drei Grenzposten an Land im Norden des Landes wurden Ziel eines feigen Angriffs, der zu Sachschäden führte“, hieß es in der Erklärung. Zudem sei eine kuwaitische „Offshore-Bohrplattform“ von einer „feindlichen Drohne“ angegriffen worden. Ein Arbeiter sei verletzt worden, zudem habe es Sachschäden gegeben.
Am frühen Morgen deutscher Zeit waren in Bahrain Sirenen zu hören, was auf Gegenschläge aus Iran deuten ließ. Die Benzinpreise in den USA sind seit Donald Trumps Irankrieg enorm gestiegen. Nun greift der US-Präsident zu einer ungewöhnlichen PR-Maßnahme, um für Billigtankstellen zu werben.



