Ein großes Missverständnis ist die Annahme, dass auf einem FKK-Platz alle Menschen immer nackt sind und Kleidung verboten ist. Das betont Manuela Fernandez, Vizepräsidentin des Deutschen Verbands für Freikörperkultur. „Das geht gar nicht, da wir auch nicht frieren wollen. Es soll angenehm sein, es soll befreiend sein, es soll ein Gefühl von Verbundenheit mit der Natur sein, mehr nicht.“ Tatsächlich entscheidet jedes Mitglied selbst, ob es Kleidung trägt – nur im Schwimmbad auf dem Vereinsgelände am „Sonnenhügel“ in Alsfeld ist Nacktheit Pflicht.
Zahlen und Mitgliederstruktur
Der Deutsche Verband für Freikörperkultur zählt bundesweit etwa 35.000 organisierte Mitglieder. Die Geschlechterverteilung ist nahezu ausgeglichen, aber mehr als die Hälfte aller Mitglieder ist 61 Jahre oder älter. „Damit ist der ganze Verband eher überaltert, leider“, ergänzt Fernandez. „Ich sehe in den Vereinen seit Jahren eine gewisse Aufbruchsstimmung, da endlich viele alte weiße Männer verstanden haben, dass junge Menschen unter 40 Jahren den Naturismus gerne leben möchten, aber nicht in verkrusteten Strukturen und mit veralteten Vorbildern.“
Imagekampf und Vorurteile
Gegen Missverständnisse muss sich der Verein immer wieder wehren. Der Vorsitzende der Familiensportgemeinschaft Oberhessen, Dietmar Binder, erklärt: „Der Begriff FKK hat ein gewisses Geschmäckle, wie man auf Schwäbisch sagt. Da gibt es diese FKK-Clubs im Rotlichtmilieu und Swingerclubs. Aber damit haben wir nichts zu tun.“ Entsprechende Anfragen habe der Verein bereits abgelehnt. Dabei geht es den Naturisten um etwas ganz anderes: Gleichheit, Gemeinschaft und Naturverbundenheit. „Es gibt unterschiedliche Körper. Es interessiert uns nicht, wie der andere aussieht: Der Mensch zählt. Wir schauen uns in die Augen“, sagt Binder.
Modernisierung und junge Zielgruppen
Viele Vereine haben inzwischen einen modernen Internetauftritt und eine Social-Media-Präsenz, um Menschen zwischen 20 und 30 Jahren besser zu erreichen. „Unsere aktive Werbung gilt überwiegend jungen Familien“, erklärt Fernandez. Das Thema Smartphone mit Kamera sei anfangs ein großes Thema gewesen, habe sich aber eingespielt. „Es ist manchmal ein bisschen digital detox. Und es gibt auch keine Selfies. Das entspannt ungemein.“
Praktiken und Regeln
Auf dem 25.000 Quadratmeter großen Vereinsgelände in Alsfeld gibt es ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Boulefeld sowie Angebote wie Tischtennis, Volleyball, Pilates und gemeinsame Radtouren. 50 Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile stehen bereit. Wer beispielsweise Tischtennis in der Sonne nicht unbekleidet spielen mag, darf sich etwas überziehen. Es ist jedem Mitglied selbst überlassen, wie es aus dem Wohnwagen herausgeht. FKK-Wetter ist laut Fernandez dann, „wenn man sich nackt draußen bewegen kann, ohne zu frieren, das kann im Mai bei 20 Grad sein, wenn die Sonne scheint, manchmal auch Anfang Oktober noch.“
Gleichheit und Schutz
Beim Bund der Natur- und Sonnenfreunde Gießen mit etwa 100 Mitgliedern und eigener Badestelle an der Lahn gilt ein Verhaltenskodex. Der zweite Vorsitzende Thomas Rupp betont: „Wer hierherkommt, muss sich ausziehen, der muss Gleicher unter Gleichen sein.“ Ausgenommen sind Kinder und Jugendliche, die Kleidung ablegen dürfen, aber nicht müssen. „Wer das von Minderjährigen verlangen würde, den würde ich persönlich zur Tür bringen.“ Zwei Beauftragte kümmern sich um die Einhaltung der Regeln und Prävention sexueller Gewalt.
Warum FKK?
Was ist reizvoll an der Freikörperkultur? „Ich bin ein sehr bequemer Mensch“, sagt Rupp. Für einen Gang übers Gelände müsse er nicht jedes Mal Kleidung überziehen. Auch die Natur nehme man „viel echter“ und „hautnah“ wahr – etwa bei Nacktwanderungen oder Nacktradtouren. Und für Frauen gibt es jeden Monat Tage, wo es ohnehin schwierig ist, und für Pubertierende ist es auch eine herausfordernde Zeit. Am Ende steht das Gefühl von Freiheit und Verbundenheit mit der Natur.



