Kaum ziehen dunkle Wolken auf, sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Die winzigen Insekten krabbeln auf Pflanzen, Fenstern und auch auf Menschen. Gefährlich sind sie nicht, aber lästig. Doch kündigen sie tatsächlich ein nahendes Gewitter an? Ein genauer Blick auf die Biologie und das Verhalten der Tiere gibt Aufschluss.
Was sind Gewittertierchen?
Gewittertierchen werden auch Thripse oder Gewitterfliegen genannt. Biologisch gehören sie jedoch nicht zu den Fliegen, sondern zu den Fransenflüglern, erklärt myHOMEBOOK. Weltweit gibt es laut Umweltbundesamt rund 5500 Arten, in Deutschland etwa 210. Sie ernähren sich von Pflanzensaft oder saugen Blattläuse und Milben aus. Da sie nur schlecht fliegen können, lassen sie sich oft vom Wind treiben und legen so teils Hunderte Kilometer zurück.
Warum treten sie vor Gewittern auf?
Dass Gewittertierchen häufig vor einem Unwetter in großer Zahl auftauchen, ist kein Zufall. Ihr Flugverhalten wird laut Fransenflügler-Experte Dr. Manfred R. Ulitzka von Licht, Wind, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflusst. An warmen Sommertagen ab etwa 20 Grad starten einige Arten zu Schwarmflügen. Da an solchen Tagen auch die Wahrscheinlichkeit für Gewitter steigt, entsteht leicht der Eindruck, die Tiere könnten Unwetter vorhersagen.
Die elektrische Feldstärke ist entscheidend
Nach Angaben des Insektenforschers reagieren die kleinen Insekten vor allem auf Veränderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft. Während eines Gewitters steigt diese deutlich an – von normalerweise etwa 0,1 auf bis zu 50 Kilovolt pro Meter. Kleine Insekten stellen ihre Flugaktivität bereits bei rund 8 kV/m weitgehend ein. Sie versuchen dann zu landen und den Boden zu erreichen. Dadurch fallen sie Menschen besonders stark auf. Das Gewitter selbst löst ihr Massenauftreten also nicht aus.
Warum landen sie auf Menschen?
Dass Gewittertierchen häufig auf Menschen landen, hat ebenfalls einfache Gründe. Sie werden besonders von weißer und gelber Kleidung angezogen. Außerdem nehmen sie bei schwülem Wetter Schweiß auf und können dabei auch in die oberste Hautschicht gelangen. Die Folge können Juckreiz oder bei empfindlichen Menschen leichte Entzündungen sein. Blut saugen jedoch nur wenige Arten. Dass die Tiere auf Menschen landen, ist daher meist eher Zufall als gezielte Suche nach einem Wirt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Gewittertierchen sind keine Unwetterpropheten, sondern reagieren auf die veränderten Umweltbedingungen, die mit einem herannahenden Gewitter einhergehen. Ihr Massenauftreten ist ein Indikator für die erhöhte elektrische Feldstärke und die schwüle Witterung, nicht für das Gewitter selbst.



