In einer aktuellen Kolumne in BILD wendet sich Harald Martenstein (72) direkt an Altkanzler Gerhard Schröder. Der Journalist und Autor lobt Schröder als den letzten richtig guten Kanzler. „Wenn ich mit Leuten rede, höre ich oft: Schröder war der letzte richtig gute Kanzler“, schreibt Martenstein. Auffällig oft sagten das Menschen, die früher viele Jahre lang SPD gewählt hätten.
Agenda 2010 als Jahrhundertreform
Martenstein hebt die Agenda 2010 hervor, die letzte große Reform zugunsten der Wirtschaft. Schröder habe nicht nur Wohlstand umverteilt, sondern auch etwas für den Wohlstand der Zukunft getan. „Ihrer Nachfolgerin haben Sie ein Land mit guter Infrastruktur, innerem Frieden und kraftstrotzenden Unternehmen übergeben“, heißt es in dem Text. Zudem habe Schröder Deutschland aus dem Irak-Krieg herausgehalten.
Vergleich mit Olli Kahn
Der Kolumnist vergleicht Schröder mit dem ehemaligen Fußballtorwart Olli Kahn. 2003 hatte Bayern München gegen Schalke 04 mit 0:2 verloren. Reporter Tom Bartels fragte Kahn nach dem Spiel: „Was hat Bayern heute gefehlt?“ Kahn antwortete: „Eier.“ Martenstein schreibt: „Sie waren der Olli Kahn unter den Kanzlern. Ein Macho. Aber einer, der im entscheidenden Moment das Richtige tut.“
Bleibende Popularität trotz Kritik
Obwohl Schröder in seiner Partei, der SPD, heute als Unperson gelte, liebten ihn sehr viele Leute. Martenstein erinnert daran, dass die SPD bei der Abwahl Schröders noch 34,2 Prozent der Stimmen erhielt – ein Wert, den die Partei seither nie wieder erreicht habe. „Die SPD hat das vergessen. Die anderen Menschen aber haben es nicht vergessen“, schreibt Martenstein. Er räumt ein, dass Schröder später auch Fehler gemacht habe, betont aber: „Als Kanzler waren Sie groß. Sie hatten Eier.“



