Hitze-Kolumne: Plötzlich alle nackig – Sommerlaune pur
Hitze-Kolumne: Plötzlich alle nackig – Sommerlaune

Hitze-Kolumne: Huch! Auf einmal sind alle nackig

Freie Bäuche, nackte Beine: Der Sommer sorgt auch für Klamotten-Freiheit. Evelyn Holst berichtet von einem lauen Sommerabend in Hamburg, der sie zum Nachdenken über die befreiende Wirkung von Hitze und Nacktheit brachte.

Einer dieser trägen, warmen Sommerabende, ich schlunze auf dem Balkon, der zweite oder bereits der dritte Aperol Spritz glitzert im Glas – und auf dem Balkon schräg über mir hängen zwei Männerfüße über dem Geländer. Normalerweise hätte mich dieser Anblick gestört, denn es waren nicht die gepflegtesten Männerfüße, lange Nägel, dicke Hornhaut, aber an diesem Abend rief ich nur ein entspanntes: „Herrlich, oder? So schön kann Hamburg sein“, nach oben. Und der Fußmann, sein Gesicht war nicht zu sehen, rief ein fröhliches: „Schönste Stadt der Welt“, zurück. Was ich als waschechte Hamburgerin nur bestätigen kann.

Heiße Sommertage, egal wie unerwartet, egal wie lang oder kurz, sind sie nicht immer ein großes Geschenk? Man guckt morgens aus dem Fenster und kann es nicht glauben – alle Wolken wie weggewischt, der Himmel ein perfektes Kuschelblau und das im Land des Nieselregens und der Graupelschauer. Yippie! Haben Sie sich auch gleich, „La Paloma“ pfeifend, ein bisschen nackig gemacht und sind nach draußen gestürzt? Die grottenolmige Quarktaschenhaut in die Sonne gehalten und auf ein paar Pigmente gehofft? Ich habe leider eine große Nase, die bereits nach einer Sonnenstunde, auch mit Sonnenschutz, wie ein roter Clownszinken aus meinem restbleichen Gesicht ragt – egal!

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Nacktfrösche wie Sardinen im Sand

Bin ja nicht der einzige Sonnenfreak. Wo man hin- oder in manchen Fällen vielleicht lieber wegsieht – behaarte Männer-, manchmal auch Frauenbeine, halbe Pobacken in superknappen Shorts, auch wir Frauen über 60 denken: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ und zeigen ungeniert unsere Fledermaus-Oberarme. An Ost- und Nordsee liegen wir Nacktfrösche wie Sardinen im Sand, Genderfans neben AfDlern, Veganer neben fetischhaften Wurstfressern, endlich wieder eine Gesellschaft ohne tiefe Spaltung!

Okay, das ist alles nicht der optische Superreiz, dafür etwas viel Schöneres: Lebensfreude! Menschen, die sich nackig machen, haben keine schlechte Laune, im Gegenteil. Weil wir uns nicht nur textil, sondern auch mental entblößen und dadurch irgendwie verletzlicher und schutzloser sind. In Shorts und bauchfreiem T-Shirt oder in Bikini oder Badehose passt kein Mensch, der pöbelt und beleidigt, es sähe lächerlich aus, also muss man sich benehmen. Zu nackter Haut passt nur ein Lächeln, kein Geschrei.

Sommer genießen ohne schlechtes Gewissen

Wer in einem Hauch von Nichts, sei es Mann oder Frau, im Park oder am Strand einfach nur daliegt, will nicht über Politik diskutieren, sondern möchte sich nur wie ein friedliches Faultier den Pelz wärmen und in Ruhe gelassen werden. Ein schöner Sommer macht uns alle zu Italienern. Dolce far niente. Süßes Nichtstun.

Eins, das wir genießen sollten, ohne schlechtes Gewissen, die meisten von uns operieren nicht am offenen Herzen. Und wenn unser Vitamin-D-Speicher wieder randvoll ist, sehen wir auch gelassen den ersten Regentropfen entgegen. Aber bis dahin machen wir uns ungeniert so nackig, wie die Sonne es zulässt. Auf einen wunderschönen Sommer 2026!

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