Historischer Hitzerekord: 41,3 Grad in Deutschland gemessen
Hitzerekord: 41,3 Grad in Deutschland gemessen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Freitag um 17 Uhr in Saarbrücken-Burbach im Saarland eine vorläufige Höchsttemperatur von 41,3 Grad gemessen – so heiß war es noch nie in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der bisherige Allzeitrekord lag bei 41,2 Grad, gemessen am 5. Juli 2015 in Kitzingen. Zudem wurde ein neuer Juni-Rekord aufgestellt: Mit 40,9 Grad an einer Wetterstation in Saarbrücken übertraf die Temperatur den bisherigen Juni-Höchstwert von 39,6 Grad deutlich. Der DWD-Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur AFP: „Erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurden in einem Juni mehr als 40 Grad Celsius gemessen.“

Extreme Wärmebelastung am Wochenende

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnt für Samstag vor einer „extremen Wärmebelastung“, insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet von Berlin. Für Sonntag prognostizieren Meteorologen in der Lausitz Höchsttemperaturen bis zu 42 Grad. Der DWD-Meteorologe Oliver Reuter sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann. Nicht nur, weil der bisherige deutsche Juni-Rekord vermutlich deutlich überboten wird, sondern auch, weil es in dieser Fläche und an drei aufeinanderfolgenden Tagen noch keine Spitzenwerte von über 40 oder gar 41 Grad in Deutschland gab.“

Ursache: Hitzedom über Mitteleuropa

Verantwortlich für die Rekordtemperaturen ist ein sogenannter „Heat Dome“ – ein Wetterphänomen, bei dem die Hitze wie unter einer riesigen Kuppel über mehrere Tage gefangen bleibt und nicht entweichen kann. Experten vom DWD bestätigten dem Tagesspiegel, dass sich dieser Hitzedom aktuell von Westeuropa kommend in Richtung Mitteleuropa und Deutschland bewegt. „Der Hitzehöhepunkt ist auf dem Weg zu uns und erreicht uns voraussichtlich Freitag oder Samstag“, sagte eine DWD-Sprecherin. Die Hitzewelle soll mindestens bis Sonntag anhalten, da weiterhin heiße bis sehr heiße Luft aus Süden nach Deutschland strömt. Allerdings drohen am Wochenende auch schwere Gewitter: Die DWD-Gefahrenkarte zeigt für Sonntag für ganz Deutschland „Gefahr für schwere Gewitter“, am Samstag sind besonders in der Westhälfte einzelne Hitzegewitter zu erwarten.

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Auswirkungen: Veranstaltungsabsagen und Schutzmaßnahmen

In ganz Deutschland reagieren Veranstalter, Vereine und Kommunen auf die enormen Temperaturen. Zahlreiche Open-Air-Events wurden abgesagt, darunter der für Sonntag geplante Halbmarathon in Hamburg, für den 24.000 Läuferinnen und Läufer angemeldet waren. „Es ist vermutlich die schwerste Entscheidung, die wir in der Geschichte dieser Veranstaltung treffen mussten“, hieß es auf der Homepage. Der Württembergische Fußballverband sagte sämtliche Fußballspiele für das Wochenende ab, der Berliner Fußballverband strich alle Begegnungen im Kinderfußball sowie Spiele ohne Relevanz für Auf- oder Abstiege. Auch Schulen verkürzen den Unterricht oder geben hitzefrei. Der Deutsche Tierschutzbund forderte einen befristeten Stopp von Tiertransporten, da diese für die Tiere „schnell zur Qual“ werden könnten und „mit erheblichen Tierschutzrisiken verbunden“ sind. In manchen Regionen gelten Bewässerungs- und Grillverbote wegen Wasserknappheit und Waldbrandgefahr. In Dresden wurde ein Wasserentnahmeverbot verhängt, wonach Eigentümer und Anlieger bis Oktober kein Wasser aus oberirdischen Gewässern entnehmen dürfen.

Klimawandel als Treiber der Hitzewelle

Forscher der Organisation World Weather Attribution betonen, dass die aktuelle Hitzewelle in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen wäre. Sowohl die Tageshöchsttemperaturen als auch die Nachttemperaturen wären vor 50 Jahren „praktisch unmöglich“ gewesen. Eine Hitzewelle im damaligen Klima wäre rund 3,5 Grad weniger heiß gewesen. Der Klimawandel sei der maßgebliche Treiber hinter den rekordverdächtigen Temperaturen.

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Wärmste Nacht seit Messbeginn

Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde ein bundesweiter Rekord verzeichnet: Im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern fiel die Temperatur nicht unter 26,2 Grad – die wärmste Nacht in Deutschland seit Beginn der Messungen. Der bisherige Rekordhalter war der Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz mit ebenfalls 26,2 Grad am 25. Juli 2019. Ab einer Mindesttemperatur von 20 Grad spricht der Wetterdienst von einer Tropennacht.

Abkühlung erst in der neuen Woche

Eine „echte Linderung“ ist laut DWD in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Eine leichte Abkühlung deutet sich erst zu Beginn der kommenden Woche an, zunächst im Nordwesten des Landes. „Es wird noch schwül und heiß, aber die extreme Hitze ist dann komplett raus“, so die DWD-Experten.