Ein zusammengebrochenes Kutschpferd in Rom hat eine neue Debatte über die Zukunft traditioneller Pferdekutschen in europäischen Städten ausgelöst. In sozialen Medien gab es heftige Kritik. Tierschützer fordern ein Verbot, während Kutscher auf die Tradition verweisen. Ein Blick auf die unterschiedlichen Ansätze in europäischen Metropolen zeigt: Die Zeiten der Pferdekutschen sind vielerorts gezählt.
Rom: Streit um die Botticelle
In Rom schwelt der Konflikt um die Pferdekutschen – sogenannte Botticelle – seit Jahren. Derzeit besitzen noch 16 Kutscher eine Lizenz, vor zehn Jahren waren es knapp 40. Die Stadt versucht, die Fahrer mit Angeboten für Taxi- oder E-Taxi-Lizenzen zum Umstieg zu bewegen. Viele Kutscher lehnen ab, da das Geschäft mit Touristen lukrativer sei. Nach dem jüngsten Vorfall fordern Tierschützer ein vollständiges Verbot.
Wien: Strenge Auflagen für Fiaker
In Wien gehören rund 150 Fiaker zum Stadtbild. Die Regeln wurden verschärft: Die Kutschen dürfen nur zwischen 11 und 22 Uhr fahren, jedes Pferd maximal 18 Tage im Monat eingesetzt werden. Ab 35 Grad gibt es hitzefrei. Tierschützer fordern eine Senkung auf 30 Grad. Der Gesundheitszustand der rund 300 Fiaker-Pferde wird streng kontrolliert.
Prag: Verbot seit 2023
In Prag sind Pferdekutschfahrten im Stadtzentrum seit 2023 verboten. Die Stadt argumentierte, dass das Pflaster zu hart sei, die Tiere Abgase einatmeten und die Bewegungen repetitiv seien. Eine Petition mit dem Titel „Ein Pferd ist keine Maschine“ wurde von über 16.000 Menschen unterzeichnet. Als Alternativen stehen Hop-on-Hop-off-Busse, Oldtimerfahrten und historische Straßenbahnen zur Verfügung.
Mallorca: Elektrokutschen statt Pferde
Auf Mallorca hat die Gemeinde Alcúdia bereits 2023 auf Elektrokutschen umgestellt. Auch Palma plant den Umstieg. Die Kleinunternehmer sind mehrheitlich bereit. In anderen spanischen Städten wie Barcelona, Madrid oder Málaga gibt es bereits elektrische Tuk-Tuks, Gokarts oder E-Bike-Touren. Sevilla hingegen hält aus Traditionsgründen an Pferdekutschen fest, erst ab der höchsten Warnstufe Rot (44 Grad) müssen die Kutscher pausieren.
Lissabon: Vom Pferd zum Tuk-Tuk
In Lissabon gibt es kaum noch Pferdekutschen, dafür viele elektrische Tuk-Tuks. Die Stadtregierung musste jedoch hart durchgreifen: Die Zahl der Lizenzen wird reduziert, und es wurden Fahr- und Parkverbote in Teilen des historischen Zentrums erlassen.
Budapest: Wenige Kutschen, klare Regeln
In Budapest bieten nur etwa 20 Pferdegespanne Fahrten an, etwa am Burgviertel und Heldenplatz. Es gibt keine großen Debatten, aber eine städtische Verordnung schreibt regelmäßige tierärztliche Kontrollen vor.
Brüssel: Vorreiter mit E-Kutschen
Brüssel führte 2024 E-Kutschen ein, nach anhaltender Kritik an Pferdekutschen. Die Elektrofahrzeuge fahren bis zu 25 km/h und ähneln optisch klassischen Kutschen. In Brügge gibt es noch Pferdekutschen, aber ab 30 Grad haben die Tiere hitzefrei.
Athen: Kein Nachwuchs für Kutscher
In Athen rollten zuletzt nur noch im Vorort Kifissia Pferdekutschen, doch auch dort sind sie nun Geschichte. Die letzten Kutscher beklagten, dass ihre Kinder den Job nicht übernehmen wollen. Auf Kreta fordert der griechische Tierschutzbund PFPO mehr Schutz für Kutschpferde im Hafen von Chania, da die Tiere nicht artgerecht gehalten würden. „Tierschutz ist ein Zeichen von Kultur und das Ansehen des Landes“, so der PFPO.



