Der Supermarkt als Ort des Grauens
Warmer Atem, kaltes Licht und rempelnde Menschen: Nirgendwo scheitert die Autorin Sylvie Gühmann so sehr an sich selbst wie in einem Supermarkt. In ihrer Homestory für den SPIEGEL beschreibt sie, wie der tägliche Einkauf zur Qual wird. Die Kühltheke wird zum Symbol für eine Überforderung, die viele Menschen kennen. Laut einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts EHI empfinden 42 Prozent der Deutschen den Einkauf im Supermarkt als stressig.
Die Kühltheke als Brennpunkt
Besonders die Kühltheke ist für Gühmann ein Ort des Schreckens. Sie berichtet von unangenehmen Begegnungen mit anderen Kunden, die drängeln und rempeln. „Die Kühltheke ist der Ort, an dem alle guten Vorsätze sterben“, sagt sie. Die Kälte und das grelle Licht verstärken das Unbehagen. Viele Verbraucher fühlen sich in Supermärkten überfordert, wie eine Studie der Universität Köln zeigt: 38 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Atmosphäre in Supermärkten als unangenehm empfinden.
Alltägliche Überforderung
Gühmann beschreibt, wie sie bereits am Eingang des Supermarkts von einer Welle der Überforderung erfasst wird. Die schiere Auswahl an Produkten, die laute Musik und das Gedränge machen ihr zu schaffen. „Ich fühle mich wie in einem schlechten Film“, zitiert sie sich selbst. Die Psychologin Dr. Sabine Müller erklärt: „Viele Menschen erleben eine sensorische Überlastung in Supermärkten, die zu Stress und Unwohlsein führt.“
Ein gesellschaftliches Phänomen
Die Homestory von Sylvie Gühmann zeigt, dass der Supermarkt für viele mehr ist als ein Ort des Einkaufens. Er ist ein Spiegel der Gesellschaft, in dem sich Konflikte und Ängste manifestieren. Die Autorin fordert mehr Empathie und Rücksichtnahme im Alltag. „Vielleicht sollten wir uns alle ein wenig mehr wie in einem Wohnzimmer verhalten“, schreibt sie. Der SPIEGEL-Artikel, der ursprünglich am 11. Juli 2026 veröffentlicht wurde, ist Teil der Ausgabe 29/2026.



