Johannes B. Kerner: Was er von seinem Vater lernte
Johannes B. Kerner: Was er von seinem Vater lernte

Johannes B. Kerner (61) ist heute ein erfahrener Sportmoderator, der große Fußballmomente mit ruhiger Stimme begleitet. Doch wenn er über seinen Vater spricht, wird aus dem routinierten Moderator plötzlich ein sehr persönlicher Erzähler. Dann geht es nicht mehr um Sendungen, sondern um einen Jungen, der nach der Trennung der Eltern mit 13, 14 Jahren zu seinem Vater Claus zog – und dort offenbar etwas fürs Leben mitnahm: „Wir laufen nicht weg, wenn es schwierig wird.“

Die frühe Lektion

Der Satz stammt aus einer ganz frühen Erinnerung, wie Kerner im BILD-Podcast „MayWay“ erzählt. Der Moderator war damals neun, saß allein vor dem Fernseher und schaute das WM-Finale 1974. Als Deutschland in Rückstand geriet, sei ihm so schlecht geworden, dass er dachte, er müsse sich übergeben. Sein Vater merkte sofort, was los war, und redete nicht lange um den heißen Brei. Er habe ihn, so Kerner, „irgendwo zwischen überredet und gezwungen“, das Spiel zu Ende zu schauen. Dann fiel dieser eine Satz, der blieb: „Nein, nein, nein, das fangen wir gar nicht erst an. Wir laufen nicht weg, wenn es schwierig wird.“ Aus einem Fußballabend wurde ein Lebensprinzip.

Der Umzug zum Vater

Später, als die Eltern sich trennten, wurde aus dieser frühen Lektion Realität. Kerner war 13, 14 Jahre alt. „Die Trennung war schon ein bisschen vorher absehbar. Den Streit zu Hause bekamen mein Bruder, meine Schwester und ich natürlich mit.“ Und dann kam der Moment, in dem er sich entschied, beim Vater zu leben. Nicht irgendwann, nicht in aller Ruhe, sondern, wie es in seiner Erinnerung klingt, fast in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“. „Ich hatte Streit mit meiner Mutter. Da hab‘ ich meinen Vater aus der Telefonzelle angerufen und hab ihm gesagt, dass ich kommen wolle.“ Am 1. Mai 1979 fuhr er nach Berlin. Am 2. Mai ging er dort zur Schule.

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Plötzlich war ein anderes Zuhause, ein anderer Alltag, eine andere Ordnung. Und doch klingt in seinen Worten nichts nach Abbruch oder Kälte. Eher nach Verlässlichkeit. Nach Respekt. Nach einem stillen Einverständnis zwischen Vater und Sohn. „Ich habe dreizehn Jahre in Berlin gewohnt. Das war eine prägende Zeit.“ Er macht dort Abitur, beginnt zu studieren. „BWL. Ich dachte, es sei besser, man studiert was.“ Doch sein Herz schlägt längst für etwas anderes. Ein Praktikum beim Sender Freies Berlin, ein Sportchef, der ihn fördert. „Dann habe ich alles gegeben, was ich hineingeben kann an Energie und Leidenschaft.“

Der Abschied vom Vater

Der Vater war in diesen Jahren die feste Bezugsperson, derjenige, bei dem Kerner ankommt, weiterlebt, erwachsen wird. Erst viel später kommt der schwerste Teil dieser Geschichte dazu: der Abschied. Sein Vater starb 2020. Wenn Kerner über den Tod seines Vaters spricht, sagt er: „Der Tod meines Vaters war dann für ihn eine Erlösung.“ Ein harter Satz, ja – aber einer, der aus einer langen, schweren Zeit heraus gesprochen ist. „Es war ein Loslassen“, sagt Kerner. Und am Ende bleibt bei ihm nicht Bitterkeit, sondern Dankbarkeit. Doch: „Ich konnte bis heute nicht seine Telefonnummer aus meinem Handy löschen.“

Versöhnung mit der Mutter

Trotz der Jahre beim Vater besteht heute keine Bitterkeit gegenüber der Mutter. Seine Eltern hätten sich nach all den Jahren wieder gut verstanden. „Im Rückblick verdrängt man das“, sagt er sinngemäß über den Streit der damaligen Jahre, und fast scheint es, als überwiege bei ihm heute das Gute. Vielleicht ist das auch diese „rheinische Art“, von der er spricht: nicht alles verklären, aber das Schwere nicht größer machen als das Schöne.

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