Kai Viehof: Millionenerbe verschenkt sein Vermögen für Demokratie
Kai Viehof: Erbe verschenkt Millionen für Demokratie

Kai Viehof, Enkel des Allkauf-Gründers, hat den Großteil seines Erbes ausgeschlagen und spendet nun den Rest seines Vermögens für Demokratie und soziale Zwecke. Der 44-jährige Mönchengladbacher trat öffentlich in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ auf und erklärte, dass er die Debatte über Verteilungsgerechtigkeit nicht als Neiddebatte verstanden wissen will. „Das ist für mich eine zentrale Debatte, der sich auch die stellen müssen, die im System gewonnen haben“, sagte Viehof.

Hintergrund: Das Allkauf-Erbe

Sein Großvater baute in den 1960er-Jahren die Handelskette Allkauf auf, die 1998 für rund eine Milliarde Mark an die Metro AG verkauft wurde. Viehofs Vater schenkte ihm bereits in jungen Jahren einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Das eigentliche Erbe, einen bis zu dreistelligen Millionenbetrag, schlug der Sohn jedoch aus. Stattdessen floss dieser Betrag in eine gemeinnützige Stiftung, für die sein Vater vertretungsberechtigt ist. Viehof selbst hat mit dieser Stiftung nichts zu tun.

Spenden für Demokratie und soziale Projekte

Von dem verbliebenen mittleren zweistelligen Millionenbetrag behält Viehof nur ein Achtel für sich und seine Familie mit zwei Kindern als Sicherheitspuffer. Die restlichen sieben Achtel spendet er oder investiert sie in Unternehmen, die gesellschaftliche Rendite versprechen. Sein Schwerpunkt liegt auf Demokratieförderung. Fünf Jahre lang unterstützt er Hate Aid mit einem sechsstelligen Betrag pro Jahr, um Hass im Internet zu bekämpfen. Ebenso spendet er an Correctiv, Brand New Bundestag und die Bürgerbewegung Finanzwende.

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„Ohne Demokratie kann man alle weiteren Themen, auch den Klimawandel, vergessen“, sagt Viehof, inspiriert von Anna-Lena von Hodenberg, Gründerin von Hate Aid. Er selbst setzt sich öffentlich für eine Vermögensteuer und eine Reform der Erbschaftsteuer ein, da die Konzentration von Reichtum die Demokratie gefährde.

Investitionen in Impact-Unternehmen

Viehof investiert auch in Unternehmen, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben. So gab er dem Tampon-Start-up Vyld ein Darlehen von 750.000 Euro und half dem Porridge-Start-up Haferkater mit einer sechsstelligen Summe beim Wechsel ins Verantwortungseigentum. Bei erfolgreichem Geschäftsverlauf erhält er das Geld mit gedeckelter Verzinsung zurück, das er dann in neue Impact-Investments stecken will.

„Manchmal ist es auch absolutes Bauchgefühl: Die finde ich nett, denen gebe ich Geld“, so Viehof über seine Spendenentscheidungen. Er dokumentiert alle Spenden auf einer Liste auf seinem Smartphone und entscheidet nach erwarteter Wirkung. Bei Hate Aid zählt für ihn etwa die Zahl der unterstützten Betroffenen und gewonnener Verfahren gegen Social-Media-Plattformen. Wenn das rechte Online-Medium Nius die Organisation angreift, sieht er das als Zeichen, dass Hate Aid ernst genommen wird.

Herausforderungen und Grenzen des Gebens

Viehof hat gelernt, dass Spenden eine Kunst ist. Er hat in Projekte investiert, die weniger Wirkung zeigten, und erlebte, dass großzügige Zusagen zu teuren Strukturen führten, als öffentliche Mittel ausblieben. Daher stückelt er höhere Beträge über mehrere Jahre. Schon mehrfach entschied er sich, ein Projekt nicht weiter zu unterstützen. „Möglicherweise lässt man dann eine Organisation über die Klinge springen. Dahinter stehen Einzelschicksale von Personen, die ihren Job verlieren. Das ist eine schwere Entscheidung“, räumt er ein.

Sein Einfluss habe Grenzen, da auch sein Geld Grenzen hat. Knapp drei Achtel seien noch übrig, sagt Viehof. Wenn alles weg ist, werde er sich stärker auf seinen Aktivismus für Verteilungsgerechtigkeit konzentrieren.

Reaktionen aus der Philanthropie-Szene

Felix Oldenburg, Chef des Stiftungs-Start-ups Bcause, lobt Viehofs Entwicklung: „Man merkt ihm an, dass er sich sehr viele Gedanken macht. Da stecken Jahre von Auseinandersetzungen hinter.“ Erben, die aus der Familiendynastie aussteigen, müssten sich gegen den Willen von Familienmitgliedern und Vermögensberatern durchsetzen. Oldenburg sieht eine neue Generation von Erben, die Klimawandel und Demokratiekrise bewusst wahrnehmen. „Sich sichtbar zu engagieren, ist für diese Erben aber eine Lose-lose-Situation“, sagt er, da sie sowohl von denen kritisiert werden, die zu wenig spenden, als auch von denen, die zu viel spenden.

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Viehof gehört zu denen, die trotzdem darüber reden. Das Verhältnis zu seinem Vater hat sich verbessert; dieser denkt nun ebenfalls über Verteilungsgerechtigkeit nach. „Ich bewundere ihn sehr dafür, dass er progressiv weiterdenkt“, sagt Viehof. Was er immer verhindern wollte, ist gelungen: Sie sind keine Geschäftspartner geworden, sondern fast Verbündete.