Heute kann es regnen, stürmen oder schneien, doch König Charles III. lächelt wie der Sonnenschein. Jeden Juni wird in London der Geburtstag des Monarchen gefeiert, ungeachtet des tatsächlichen Geburtsdatums. König Charles tut dies mit königlicher Zurückhaltung. Am Straßenrand der Parade waren jedoch auch Rufe wie „Nieder mit der Krone“ zu hören.
Ein Fest mit königlicher Würde
Wie das so ist bei Geburtstagsfeiern: Der unangenehmste Teil ist, wenn man als Geburtstagskind viel zu lange im Mittelpunkt steht. Aber da muss man durch. Vor allem als König. Charles III., 77 Jahre alt, hat seine Geburtstagsparade nicht ausgelassen gefeiert, sondern mit königlicher Würde abgehalten. Das liegt vielleicht auch daran, dass er eigentlich am 14. November Geburtstag hat, die Tradition die Parade jedoch im Sommer vorsieht – des Wetters wegen. Wie dem auch sei: Tausende Briten und Touristen an den Straßen in London hielt das nicht davon ab, ihm und der britischen Königsfamilie zuzujubeln.
Die Parade im Detail
Der Monarch und seine Frau Königin Camilla, 78, fuhren bei dem als „Trooping the Colour“ bekannten Spektakel die Prachtstraße The Mall vom Buckingham-Palast zum zentralen Exerzierplatz Horse Guards Parade in einer Kutsche entlang – an ihrer Seite Hunderte Gardesoldaten. In einer weiteren Kutsche waren Prinzessin Kate, 44, und ihre Kinder, Prinz George, 12, Prinzessin Charlotte, 11, und Prinz Louis, 8, unterwegs. Die Frau von Prinz William, 43, nahm nach ihrer Krebserkrankung wieder voll an der Parade teil – in einem hellblauen Outfit von Catherine Walker. Ein Hut von Philip Treacy komplettierte der Nachrichtenagentur PA zufolge den Look. Keine Spur in der Kutsche jedoch von Prinz William: Er begleitete die Parade auf dem Pferderücken, genau wie seine Tante, Prinzessin Anne, 75, und sein Onkel, Prinz Edward, 62 – zwei der Geschwister des Königs.
Begeisterte Zuschauer und Proteste
Manche Zaungäste am Straßenrand hatten besonderes Glück: Einige Kinder hatten auf den Schultern ihrer Eltern Platz genommen und einen guten Blick auf die Royals. Für die Britinnen Emma McCarthy und Sarah Fuller ist „Trooping the Colour“ einer ihrer Lieblingstage im Jahr. „Wir kommen jedes Jahr und stehen am selben Platz“, erzählten sie der BBC. Viele Schaulustige zückten ihre Handys, um den Moment bei strahlendem Sonnenschein festzuhalten. In der Menge waren auch einige Monarchiegegner zu entdecken. Mit Plakaten mit Aufschriften wie „Nieder mit der Krone“ und Bildern von König Charles‘ Bruder, Ex-Prinz Andrew, taten sie ihre Meinung kund. Gegen Andrew laufen wegen seiner Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein offizielle Ermittlungen der britischen Justiz.
Tradition und Geschichte
Die Tradition der Militärparade „Trooping the Colour“ reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. „Colour“ meint dabei die Fahne, die bei der Parade präsentiert wird. Diesen Job übernimmt jedes Jahr ein anderes der fünf Infanterie-Garderegimenter des Königs. Diesmal sind es die sogenannten Grenadier Guards. Mehr als 1000 Soldaten und Militärkapellen sind in der Regel bei der Parade dabei. Zum Abschluss führt eine Prozession wieder zurück zum Buckingham-Palast.
Flugshow und Balkonauftritt
Neben Fans der Königsfamilie dürften auch einige Flugzeug-Enthusiasten unter den Besuchern der Parade sein. Zum Abschluss der Zeremonie überfliegen Dutzende Militärflugzeuge den Palast, während die Royals winkend auf dem Balkon stehen. Den Ablauf dürfte Charles inzwischen im Schlaf kennen. Bereits mit drei Jahren war er zum ersten Mal bei der Parade dabei – Monarch war damals noch George VI., sein Großvater. Nach vielen Jahren mit Queen Elizabeth II. als Monarchin nahm Charles nach deren Tod im September 2022 in diesem Jahr schon zum vierten Mal als König an dem Spektakel teil.



