„Nur über meine Leiche.“ Mit diesem Satz war für TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel (gehört ebenfalls zu Axel Springer) lange klar: Eine Kreuzfahrt kommt für sie niemals infrage. Doch nur wenige Tage später stand sie selbst auf einem Schiff – und genoss jede Minute.
Warum ich Kreuzfahrten ablehnte
Umweltverschmutzung. Menschenmassen. Enge. Überfüllte Pools. Schlechte Shows. Dieses Feriencamp-Gefühl, das ich mit Kreuzfahrten verbinde. Dazu die Touristenströme, die Hafenstädte fluten, und die riesigen Schiffe, die aus meiner Sicht die schönsten Orte verschandeln.
All das zähle ich meinem Mann auf. Er hält trotzdem dagegen. Schließlich liebe ich das Meer. Ich vermisse es, sobald ich nicht mehr in der Nähe eines Ozeans bin. Wäre eine Kreuzfahrt da nicht genau das Richtige? Meine Antwort bleibt eindeutig: „Nur über meine Leiche.“ Dramatisch, mit großen Gesten.
Die plötzliche Wendung: Rückreise wird zur Mini-Cruise
Nur eine Woche später stehe ich selbst an Deck eines Schiffes. Ich strahle über das ganze Gesicht und kann den Blick über den Oslofjord kaum von mir losreißen. Wie ich dort gelandet bin? Ganz einfach. Nach zwei Wochen Freestyle-Urlaub in Norwegen mussten wir entscheiden, wie wir nach Deutschland zurückkommen.
Ich entdeckte eine besondere Verbindung: von Oslo nach Kopenhagen. Rund 17 Stunden in einer Kabine. Plötzlich klang das richtig gut. Wir hatten uns alle drei in Oslo verliebt und wollten dort ohnehin noch länger bleiben. Außerdem hatte keiner von uns jemals in einer Schiffskabine übernachtet. Also buchte ich die Fahrt.
Mein Mann schaute mich an und sagte nur: „Dir ist schon klar, dass du gerade eine Kreuzfahrt gebucht hast?“ Ja. Das war mir klar. Und ich freute mich sogar darauf.
Das Meer als Highlight der Reise
Von der Ballermann-Stimmung, die ich erwartet hatte, war wenig zu spüren. Ja, der Pool war voll. Ja, nachts dröhnten die Bässe aus dem Nightclub. Ja, am Buffet wurde es manchmal eng. Trotzdem überwog die Freude.
Für mich war das Wasser das eigentliche Highlight. Egal ob an Deck, im Restaurant oder aus unserer Kabine heraus – überall blickte ich aufs Meer. Weil ich rund 90 Euro mehr für eine Kabine mit Fenster bezahlt hatte, konnte ich den Ausblick sogar genießen, als meine Tochter dank der Mitternachtssonne längst friedlich schlief. Dieser Blick allein war die Reise wert.
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