Australien erlebt überraschenden Rechtsruck: One Nation im Aufwind
One Nation in Australien: Rechtsruck mit 600 Prozent mehr Mitgliedern

Australien, lange Zeit als eines der letzten westlichen Länder ohne starke Rechtspopulisten angesehen, erlebt einen überraschenden Rechtsruck. Die Partei One Nation, angeführt von der 72-jährigen Pauline Hanson, verzeichnet einen rasanten Aufstieg mit Umfragehochs und einem Mitgliederzuwachs von 600 Prozent. Ein Skandal im Parlament Ende November 2025 machte die Entwicklung deutlich.

Provokation im Parlament: Pauline Hanson trägt Burka

Am 30. November 2025 betrat Pauline Hanson das australische Parlament in einer schwarzen Burka, einem Ganzkörperschleier. Die bekennende Atheistin sorgte damit für einen Eklat. Während sie sich auf ihren Platz setzte, herrschte Unruhe im Plenarsaal. Die Grünen-Abgeordnete Mehreen Faruqi rief: „Was jemand trägt, ist seine Entscheidung. Aber das ist ein Statement, ein rassistisches Statement.“ Erst nach langer Debatte und Aufforderung durch die Parlamentspräsidentin verließ Hanson den Saal.

Protest gegen Burka-Verbot

Hanson erklärte ihren Auftritt später als Protest. Kurz zuvor war ihr Gesetzesvorschlag abgelehnt worden, Burkas aus der Öffentlichkeit zu verbannen. „Wenn sie nicht wollen, dass ich mit Burka ins Parlament komme, sollen sie es verbieten“, sagte Hanson. Die damalige Gesetzesdebatte mochte sie verloren haben, aber den Kampf um Aufmerksamkeit gewann sie. Die Provokation verschaffte One Nation landesweite Medienpräsenz.

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Mitgliederboom und Umfragehoch

Die Partei verzeichnet einen Mitgliederzuwachs von 600 Prozent, wie die australische Zeitung „The Guardian“ berichtet. In Umfragen erreicht One Nation derzeit rund 15 Prozent, ein historischer Höchstwert. Der Aufstieg erfolgt parallel zu einer wachsenden Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien. Themen wie Einwanderung, Islam und Klimapolitik treiben die Wähler in die Arme der Rechtspopulisten.

Laut Politikwissenschaftlerin Dr. Sarah Miller von der Australian National University profitiert One Nation von einer „Protestwelle gegen die politische Korrektheit“. Sie sagte: „Viele Australier fühlen sich von der politischen Elite nicht vertreten und suchen nach einfachen Antworten.“ Hanson, die bereits in den 1990er Jahren mit rassistischen Äußerungen auffiel, nutzt diese Stimmung geschickt.

30 Jahre Provokationen

Pauline Hanson ist kein neues Gesicht in der australischen Politik. Seit 30 Jahren provoziert sie mit kontroversen Aussagen. 1996 hielt sie eine vielbeachtete Rede im Parlament, in der sie vor einer „Überfremdung durch Asiaten“ warnte. Ihre Partei One Nation wurde 1997 gegründet und erlebte zunächst einen Aufschwung, verlor dann aber an Bedeutung. Der aktuelle Rechtsruck zeigt, dass ihre Botschaft weiterhin Anklang findet.

Die Entwicklung in Australien wirft Fragen auf: Ist das Land auf dem Weg zu einer dauerhaften rechtspopulistischen Strömung? Experten warnen vor den Folgen für die politische Kultur. Die etablierten Parteien stehen unter Druck, Lösungen für die wachsende Unzufriedenheit zu finden.

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