Magdeburg belegt im aktuellen ADAC-Test zur Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr einen vergleichsweise guten Platz. Der Automobilclub untersuchte bundesweit 149 Bus- und Straßenbahnhaltestellen in zehn Städten – darunter auch die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Besonders positiv fiel der Ein- und Ausstieg auf, während die Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen an vielen Haltestellen weiterhin erhebliche Mängel aufweist.
Ein- und Ausstieg: Geringe Abstände, aber Schulungsbedarf
Der ADAC bewertete für den Test den Weg zur Haltestelle, deren Ausstattung sowie den Ein- und Ausstieg. In Magdeburg wurden Fahrten zu vier wichtigen Zielen ausgewählt: Rathaus, Einkaufszentrum, Krankenhaus und Schwimmbad. Positiv hervorgehoben wird, dass die Abstände zwischen Fahrzeug und Bordstein im Vergleich zu anderen Städten meist gering ausfielen. Allerdings erreichte keine der untersuchten Haltestellen die empfohlenen niedrigen Spaltmaße. Der ADAC betont daher die Bedeutung regelmäßiger Schulungen des Fahrpersonals, da dessen Fahrweise entscheidend für einen möglichst barrierefreien Einstieg sei.
Sitzgelegenheiten und geplantes Leitsystem
Rund 57 Prozent der getesteten Haltestellen in Magdeburg verfügen über Bänke mit Armlehnen – ein überdurchschnittlicher Wert. Besonders gelobt wurde die Ausstattung an der Haltestelle des Universitätsklinikums. Zudem bewerteten die Tester das geplante barrierefreie Informations- und Ortungssystem (BIOS) positiv, das noch im Sommer 2026 eingeführt werden soll.
Blinde und Sehbehinderte: Große Defizite
Den größten Nachholbedarf sieht der ADAC bei der Orientierung blinder Menschen. Nur etwa jede fünfte untersuchte Haltestelle besitzt sogenannte Auffindestreifen, die vom Gehweg direkt zur Haltestelle führen. Zudem fehlen häufig tastbare Sicherungen an Radwegen und Fahrbahnquerungen. Auch Hindernisse wie Mülleimer oder Pfosten neben Leitsystemen wurden kritisiert. Der ADAC fordert daher, den barrierefreien Umbau von Haltestellen schneller voranzutreiben und ausreichend finanzielle Mittel bereitzustellen.



