Seit Jahrhunderten gibt es in Deutschland Traditionen, bei denen Frauen keinen Zutritt haben. Ein prominentes Beispiel ist die Schaffermahlzeit im Bremer Rathaus, die seit 1545 gefeiert wird. Erst seit 2015 werden Frauen regulär als Gäste eingeladen, und 2023 gab es erstmals eine Schafferin. Doch viele Männerbünde halten an ihren exklusiven Regeln fest.
In Niedersachsen und Bremen sind Schützenvereine ein Beispiel für anhaltende Geschlechtertrennung. Die Wildeshauser Schützengilde, gegründet 1403, erlaubt Frauen keine Mitgliedschaft. Beim Kinderschützenfest dürfen nur Jungen schießen; ein Antrag auf Öffnung wurde 2025 mehrheitlich abgelehnt, mit Verweis auf die Tradition.
Auch an Hochschulen existieren reine Männerzirkel. Burschenschaften, die laut Bundeszentrale für politische Bildung national-konservativ sind, nehmen fast ausschließlich Männer auf. Der Coburger Convent, ein Zusammenschluss von fast 100 Studentenverbindungen, begründet dies mit dem Lebensbundprinzip, das im gleichgeschlechtlichen Kontext einfacher umsetzbar sei.
Doch es gibt auch Fortschritte: Das Bremer Eiswettfest öffnete sich 2020 für Frauen, nachdem politischer Druck ausgeübt wurde. Beim Schützenfest in Hannover übernahm 2022 erstmals eine Frau das Amt der Bruchmeisterin, obwohl es Widerstand gab. Diese Beispiele zeigen, dass sich Traditionen langsam wandeln, aber viele Türen weiterhin verschlossen bleiben.



