Nach dem Fund der Leiche eines fünfjährigen Mädchens in Australien ist ein 47-jähriger Mann wegen Mordes angeklagt worden. Die tagelange Suche und anschließende Ausschreitungen hatten international für Aufsehen gesorgt. Das Kind, das zu Lebzeiten Sharon hieß, erhielt posthum den Namen Kumanjayi Little Baby – aus kulturellen Gründen, wie australische Medien berichten. Der Verdächtige soll am Dienstag in Darwin vor Gericht erscheinen.
Fünf Tage lang hatte die Polizei im Outback nahe der Kleinstadt Alice Springs nach dem Mädchen gesucht. Es war aus einem Haus in einer indigenen Siedlung verschwunden, in dem sich auch der Verdächtige aufgehalten haben soll. Erst sechs Tage zuvor sei dieser aus dem Gefängnis entlassen worden, hieß es.
Bereits vor der Festnahme kam es in Alice Springs zu Ausschreitungen: Wütende Menschen griffen den Verdächtigen an, der verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde. Vor der Klinik eskalierten die Krawalle mit rund 400 Beteiligten. Einige warfen der Polizei vor, den Verdächtigen zu schützen. Einsatzkräfte wurden verletzt, Polizeiautos und Krankenwagen beschädigt, es kam zu Plünderungen. Inzwischen habe sich die Lage beruhigt, teilte die Polizei mit. Wegen der Unruhen laufen Ermittlungen.
Polizeikommissar Martin Dole bezeichnete den Fall als „zutiefst erschütternd“ und bat, das Rechtsverfahren zu respektieren. Der Verdächtige muss sich auch wegen zweier weiterer Vorwürfe verantworten, die nicht öffentlich gemacht wurden. Es werde zudem untersucht, ob der Mann Helfer hatte.
Hunderte Einsatzkräfte hatten die abgelegene Wüstenregion gemeinsam mit Freiwilligen durchkämmt – zu Fuß, mit Geländemotorrädern, Pferden, Drohnen und Hubschraubern. Auch erfahrene indigene Fährtensucher waren im Einsatz. Der Fall löste große Anteilnahme aus, Premierminister Anthony Albanese sprach der Familie sein Beileid aus.



