Nach dem Angriff am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin mit einer Toten und mehr als einem Dutzend Verletzten findet am Sonntagabend in Frankfurt eine Mahnwache statt. Der CSD Frankfurt und Fridays for Future Frankfurt haben über Instagram dazu aufgerufen, ab 18 Uhr auf dem Römerberg zusammenzukommen. „Der Anschlag auf den CSD Berlin hat uns alle tief erschüttert. Wir haben Angst, und wir sind wütend“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf.
Solidarität und Trauer nach der Bluttat
Ein Autofahrer war am Samstagabend im Berliner Tiergarten gezielt in eine Menschenmenge am Rande des CSD gefahren. Eine Frau starb noch am Ort, mehrere Personen erlitten teils schwere Verletzungen. Die Polizei fahndet nach einem 21-jährigen Tatverdächtigen, der mutmaßlich mit einem gemieteten Kleinbus die Tat verübte. Die Hintergründe sind noch unklar, die Ermittler gehen aber von einem homophoben Motiv aus.
„Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen, allen die gestern auf dem CSD waren und noch nicht verarbeitet haben, was da passiert ist, allen die heute mehr denn je Angst um ihre Sicherheit haben“, ergänzen die Veranstalter der Mahnwache. Sie rufen dazu auf, den Abend gemeinsam zu verbringen und sich gegenseitig zu stützen. „Lasst uns diesen schweren Tag nicht allein durchstehen und heute um 18 Uhr am Römer zusammenkommen und füreinander da sein“, so der Instagram-Post.
Reaktionen aus der Politik und Zivilgesellschaft
Auch die hessische Landesregierung zeigte sich bestürzt. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sprach von einem „feigen und menschenverachtenden Anschlag“. Der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) kündigte an, selbst an der Mahnwache teilzunehmen. „Frankfurt steht solidarisch an der Seite der queeren Community. Wir lassen nicht zu, dass Hass und Gewalt unsere offene Gesellschaft spalten“, erklärte er. Die Polizei Frankfurt hat angekündigt, die Versammlung zu begleiten und für Sicherheit zu sorgen.
In mehreren deutschen Städten fanden zeitgleich ebenfalls Kundgebungen statt. In Hamburg rief der dortige Pride-Verband zu einer spontanen Demonstration auf, in Köln versammelten sich Hunderte auf dem Heumarkt. Die Vorfälle in Berlin haben bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über den Schutz queerer Veranstaltungen neu entfacht. Die CSD-Organisatoren in Frankfurt betonten, dass der CSD am 20. Juli in Frankfurt wie geplant stattfinden solle, aber unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.
Hintergrund: Eskalation der Gewalt gegen LGBTIQ+
Der Angriff ereignete sich nur wenige Tage vor dem geplanten CSD in Berlin, der am kommenden Wochenende stattfinden sollte. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von Übergriffen auf queere Menschen in Deutschland. Laut polizeilicher Kriminalstatistik stiegen die Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung im vergangenen Jahr um über 20 Prozent. Die Mahnwache in Frankfurt soll nicht nur der Opfer gedenken, sondern auch ein Zeichen gegen wachsende Homophobie setzen.
„Wir lassen uns nicht einschüchtern, aber die Wut und die Angst sind heute real“, so eine Sprecherin des CSD Frankfurt. Für den Abend auf dem Römerberg sind Redebeiträge geplant, außerdem sollen Kerzen und Blumen niedergelegt werden. Die Organisatoren bitten alle Teilnehmenden, aufeinander zu achten und bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei zu informieren.



