Nur wenige Wochen nach dem Drama um den Buckelwal „Timmy“ ist in dänischen Gewässern erneut ein Artgenosse gesichtet worden. Die Touristenführerin Linda Frølund Hansen filmte das Tier am Samstag von einer Brücke über den Kleinen Belt, einer Meerenge zwischen Jütland und Fünen. „Wir haben ins Wasser unter uns geschaut – und plötzlich tauchte etwas Weißes und Spitzes auf und glitt langsam unter der Brücke hervor“, sagte Hansen der Deutschen Presse-Agentur.
Erst für Kajak gehalten
Zunächst dachte sie, es handle sich um die Spitze eines Kajaks oder Ruderbootes. „Doch schnell bemerkten wir, dass sich das, was wir sahen, im Wasser befand – nicht auf dem Wasser. Und dann gab es keinen Zweifel mehr: Es war ein Wal!“ Der Wal-Experte Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus bestätigte der dpa: „Es handelt sich bei den Aufnahmen ganz sicher um einen Buckelwal. Ich kann aber allein von den Bildern nicht beurteilen, ob er krank ist.“
Zunehmende Buckelwal-Sichtungen in Dänemark
Der Buckelwal-Bestand im Nordatlantik wachse stetig, erklärte der Biologe Carl Kinze vom Naturhistorischen Museum in Kopenhagen dem dänischen Rundfunk. „Deshalb kommen auch bei uns immer mehr Buckelwale vor. In den letzten Jahren gab es jedes Jahr einen – und manchmal sogar mehrere.“ Es könnte sich dabei um junge Wale handeln, die auf Entdeckungsreise seien. Bei der Suche nach neuen Nahrungsquellen gelangten sie auch in dänische Gewässer. „Das ist wahrscheinlich das Phänomen, das wir hier beobachten“, so Kinze.
Hintergrund: Das Drama um „Timmy“
Erst im Frühjahr war ein Buckelwal unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit immer wieder vor der deutschen Küste gestrandet. Eine private Initiative brachte ihn in einer aufwendigen Aktion in einem Transportkahn in die Nordsee und setzte ihn dort frei. Von Experten wurde dies als Tierquälerei kritisiert. Der Wal überlebte nicht: Mitte Mai wurde er tot vor der dänischen Ostseeinsel Anholt entdeckt. Ob der nun gesichtete Wal mit „Timmy“ verwandt ist oder ob es sich um ein völlig anderes Tier handelt, ist unklar.



