Viele Paare verlieren über die Jahre die Lust aufeinander und reden nicht darüber. Ein Paartherapeut erklärt, warum das Gift ist. Sexualität müsse in Beziehungen weit oben auf der Liste der Prioritäten bleiben.
Das Paradox des Schweigens
Herr Holzberg, nach zehn oder zwanzig Jahren Beziehung reden viele nicht mehr über ihre intimen Wünsche, dabei müssten sie sich doch eigentlich viel mehr vertrauen als zu Beginn. Ist das nicht total paradox?
Für die meisten Menschen ist es ohnehin nicht so einfach, über Sexualität zu sprechen. In einer langjährigen Partnerschaft kommt hinzu, dass oft andere Konflikte aufgetreten sind und das Miteinander erschweren. Dann wird das Thema Sexualität eher vermieden und beiseitegeschoben. Man zieht sich lieber in eine Position zurück, in der man sich sicher und geschützt fühlt.
Die Folgen der Vermeidung
Laut dem Paartherapeuten führt das Vermeiden von Gesprächen über sexuelle Wünsche langfristig zu einer emotionalen Distanz. „Oft ist es so, dass die Körperlichkeit von einer Seite vermieden wird“, erklärt er. Dies könne zu Frustration und Unzufriedenheit führen, die sich auf andere Bereiche der Beziehung auswirken.
Statistiken zeigen, dass etwa 15 Prozent der Paare in langjährigen Beziehungen unter sexueller Unlust leiden. Doch nur wenige suchen professionelle Hilfe. Der Therapeut betont, dass es wichtig sei, das Thema frühzeitig anzusprechen, bevor sich negative Muster verfestigen.
Sexualität als Priorität
Der Experte rät Paaren, Sexualität bewusst in den Alltag zu integrieren. „Es geht nicht darum, Druck aufzubauen, sondern darum, einen Raum zu schaffen, in dem beide ihre Bedürfnisse äußern können“, sagt Holzberg. Regelmäßige Gespräche über Intimität könnten helfen, Missverständnisse auszuräumen und die Verbindung zu stärken.
Paare, die offen über ihre Wünsche sprechen, berichten von einer höheren Beziehungszufriedenheit. Der Therapeut empfiehlt, feste Zeiten für Gespräche einzuplanen, um das Thema nicht zu vernachlässigen.



