Die Deutsche Post hat ihre Entscheidung revidiert und wird nun doch eine Briefmarke mit dem Motiv eines Davidsterns drucken. Das bestätigte das Unternehmen am Dienstag nach einem Bericht von BILD. Die Kundin Barbara Schaumberger aus München hatte den Entwurf im Rahmen des Services „Individuelle Briefmarke“ eingereicht, war aber zunächst abgewiesen worden.
Hintergrund der Kontroverse
Schaumberger (44) hatte das Logo der bayerischen Initiative „Antisemitismus – ohne mich!“ als Motiv gewählt. Diese Kampagne wird unter anderem von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Schauspielerin Uschi Glas unterstützt. Die Post lehnte den Entwurf zunächst mit der Begründung ab, dass politische Stellungnahmen im Programm nicht vorgesehen seien. In der automatisierten Ablehnungsmail hieß es zudem, es könnte sich um ein „politisch oder ethisch nicht korrektes Motiv“ handeln.
Öffentlicher Druck und Umkehr
Nachdem BILD exklusiv über den Fall berichtet hatte, entwickelte sich in sozialen Medien und anderen Medien eine breite Kritik. Die Post besann sich daraufhin eines Besseren. In einer Erklärung an Schaumberger heißt es: „Vor dem Hintergrund der besonderen gesellschaftlichen Bedeutung des vorliegenden Anliegens haben wir den Fall erneut geprüft und entschieden, die individuelle Briefmarke zuzulassen.“
Schaumberger zeigte sich erleichtert. Gegenüber BILD sagte sie: „Ich freue mich riesig über diese positive Nachricht und die Rückmeldung der Deutschen Post, die zeigt, dass man gemeinsam etwas erreichen kann.“ Sie werde das Angebot annehmen und die Entwürfe erneut einreichen. Zudem hofft sie, dass das Motiv der Aktion „Antisemitismus – ohne mich!“ künftig weitere Briefmarken schmücken wird.
Künftige Richtlinienänderungen
Die Deutsche Post kündigte außerdem an, ihre Richtlinien und internen Prozesse für den Service „Individuelle Briefmarke“ zu überprüfen. Ziel sei es, die Vorgaben klarer und nachvollziehbarer zu gestalten. Derzeit werden alle eingereichten Entwürfe manuell von Mitarbeitern vor der Auftragsannahme kontrolliert, die Antworten erfolgen jedoch automatisiert mit Standardtexten. Die Post will sicherstellen, dass solche Missverständnisse in Zukunft vermieden werden.
Der Fall hatte für große Aufregung gesorgt und zeigt die gesellschaftliche Sensibilität im Umgang mit Symbolen wie dem Davidstern. Mit der Kehrtwende reagiert das Unternehmen auf den öffentlichen Druck und betont die Bedeutung des Kampfes gegen Antisemitismus.



