Prenzlauer Berg: Vom Hipster-Viertel zur ruhigen Wohngegend
Prenzlauer Berg: Wandel vom Hipster-Viertel zur Ruhe

Der Berliner Prenzlauer Berg, einst das kinderreiche Hipster-Viertel der Berliner Republik, erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Anfang der 2000er Jahre zogen junge Familien in den Stadtteil, der bald den Spitznamen „Pregnancy Hill“ trug. Heute sind viele Elterncafés leer, Kitaplätze stehen frei, und auf den Straßen dominieren ältere Menschen. Die „Buchbox“ am Helmholtzplatz, eine beliebte Kiezbuchhandlung für Kinder und Erwachsene, musste fast die Hälfte ihrer Ladenfläche aufgeben. Wo das Geschäft vor wenigen Wochen noch etwa 50 Quadratmeter in die Schliemannstraße hineinreichte, trennt nun eine Wand die Fläche. „Wir mussten unseren Buchladen leider verkleinern“, sagt die Mitarbeiterin hinter der Kasse.

Ursachen des demografischen Wandels

Der demografische Wandel im Prenzlauer Berg hat mehrere Gründe. Die Kinder der ersten Hipster-Eltern sind inzwischen älter, viele Familien sind in größere Wohnungen am Stadtrand oder ins Umland gezogen. Gleichzeitig steigen die Mieten im Viertel weiter an, was junge Familien abschreckt. Laut einer Studie des Berliner Senats ist die Zahl der Kinder unter sechs Jahren im Bezirk Pankow, zu dem Prenzlauer Berg gehört, in den letzten fünf Jahren um rund 10 Prozent gesunken. Die Leerstandsquote bei Kitas liegt inzwischen bei über 5 Prozent, während sie vor zehn Jahren noch bei null lag.

Auswirkungen auf das Viertel

Die Veränderungen zeigen sich im Alltag: Ehemals überfüllte Spielplätze sind weniger frequentiert, und Cafés, die einst auf Familien mit Kleinkindern spezialisiert waren, kämpfen um Gäste. Die Buchbox ist ein Beispiel für den wirtschaftlichen Druck: „Wir haben weniger Laufkundschaft, und die Stammkunden geben weniger aus“, so die Mitarbeiterin. Stattdessen ziehen vermehrt kinderlose Paare und Ältere in die Gegend, die Ruhe und die gute Infrastruktur schätzen. Immobilienmakler berichten, dass die Nachfrage nach Eigentumswohnungen durch ältere Käufer aus anderen Teilen Berlins gestiegen ist.

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Zukunftsperspektiven für Prenzlauer Berg

Der Wandel stellt den Bezirk vor neue Herausforderungen. Die Bezirksverwaltung plant, das Angebot an Seniorenwohnungen und barrierefreien Wohnungen auszubauen. Gleichzeitig sollen die Kitas nicht geschlossen, sondern für andere Nutzungen wie Nachbarschaftstreffs geöffnet werden. „Prenzlauer Berg wird nicht mehr der ‚Pregnancy Hill‘ sein, aber er kann ein lebendiges Viertel für alle Generationen werden“, sagt Stadtplanerin Dr. Anna Müller von der Technischen Universität Berlin. Ob die Entwicklung so weitergeht, hängt auch von der Mietpreisentwicklung und der Verkehrspolitik ab. Der Tagesspiegel berichtete exklusiv über diesen Epochenbruch.

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