Pauschale Handyverbote an Schulen zeigen in der Forschung nicht den gewünschten Effekt, sagt Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. In ihrem Buch „Der Kampf in den Köpfen – Wie TikTok, Instagram & Co unsere Kinder manipulieren“ analysiert sie die Folgen von Social Media für Gehirn, Gesellschaft und Demokratie.
Die gnadenlose Dynamik sozialer Medien
„Social Media ist gnadenloser als das Klassenzimmer“, betont Kolleck. Anders als in der Schule, wo Fehler verziehen werden, sei die öffentliche Bloßstellung in Netzwerken wie TikTok oder Instagram allgegenwärtig. Die Algorithmen verstärkten negative Effekte, indem sie polarisierende Inhalte bevorzugten. Dies führe zu einer Zunahme von psychischen Problemen bei Jugendlichen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Handyverboten
Die Professorin verweist auf Studien, die zeigen, dass komplette Handyverbote an Schulen kaum positive Wirkung haben. Stattdessen sei ein reflektierter Umgang mit digitalen Medien nötig. „Verbote allein reichen nicht“, so Kolleck. Entscheidend sei die Medienkompetenz der Schüler, die durch pädagogische Konzepte gefördert werden müsse.
Forderung nach Konsequenzen für Plattformen
Kolleck fordert weitreichende Maßnahmen: „Wir müssen bis zur Abschaltung von Plattformen denken.“ Die Verantwortung liege nicht nur bei Eltern und Schulen, sondern vor allem bei den Konzernen. Diese müssten ihre Algorithmen transparenter gestalten und schädliche Inhalte unterbinden. Ohne Druck von Politik und Gesellschaft werde sich nichts ändern.
Auswirkungen auf die Demokratie
Neben individuellen Folgen sieht die Expertin auch Gefahren für die Demokratie. Soziale Medien begünstigten Filterblasen und Desinformation. „Die Polarisierung der Gesellschaft wird durch die Plattformen verstärkt“, warnt Kolleck. Sie appelliert an die Politik, regulierend einzugreifen, um die Meinungsbildung zu schützen.



