Die Rentenkommission will die Frührente abschaffen und das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit, dass mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer die Möglichkeit der Frührente nutzen möchte. Die Pläne der Politik stoßen damit auf eine deutliche Diskrepanz zwischen politischen Zielen und den Wünschen der Bevölkerung.
Vorschläge der Rentenkommission: Abschaffung der Rente mit 63
Die Rentenkommission wird am Dienstag offiziell ihre Vorschläge vorlegen. Dazu gehört, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren – bekannt als Rente mit 63 – abzuschaffen. Stattdessen soll das Renteneintrittsalter parallel zur Lebenserwartung steigen. Diese Informationen wurden dem Tagesspiegel aus Kreisen der Kommission bestätigt und zuvor von ZDF und „Bild am Sonntag“ berichtet.
Die Kommission argumentiert, dass eine längere Lebensarbeitszeit notwendig sei, um die Rentenfinanzen langfristig zu sichern. Angesichts der alternden Gesellschaft und des Fachkräftemangels sei es unumgänglich, das Renteneintrittsalter anzuheben.
DAK-Studie: Mehrheit der Beschäftigten will früher in Rente
Eine repräsentative Studie der DAK-Gesundheit zeigt jedoch ein anderes Bild: 53 Prozent der befragten Erwerbstätigen gaben an, sie möchten vor dem regulären Renteneintrittsalter in den Ruhestand gehen. Nur 18 Prozent planen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. „Die Politik muss die Realität der Beschäftigten ernst nehmen“, kommentierte ein DAK-Sprecher die Ergebnisse. „Viele Arbeitnehmer fühlen sich gesundheitlich nicht in der Lage, länger zu arbeiten.“
Besonders in körperlich anstrengenden Berufen ist der Wunsch nach Frührente ausgeprägt. Aber auch in Bürojobs zeigen sich viele Beschäftigte skeptisch, ob sie bis zum neuen Rentenalter durchhalten können.
Krankenstände als Hindernis für längeres Arbeiten
Die Studie beleuchtet auch die gesundheitliche Situation der Arbeitnehmer. Demnach ist der Krankenstand in Deutschland im vergangenen Jahr auf einen Höchststand gestiegen. „Die hohen Krankenstände sind ein Warnsignal“, so der DAK-Sprecher. „Wenn die Menschen schon jetzt häufiger krank sind, wie sollen sie dann noch länger arbeiten?“
Die Politik müsse daher nicht nur über das Renteneintrittsalter diskutieren, sondern auch über Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und bessere Arbeitsbedingungen. Sonst drohe eine Rentenreform, die an der Realität der Beschäftigten vorbeigehe.
Reaktionen aus der Politik
Die Vorschläge der Rentenkommission stoßen auf geteiltes Echo. Während die Arbeitgeberseite die Pläne begrüßt, lehnen Gewerkschaften und Oppositionsparteien eine Abschaffung der Rente mit 63 ab. „Die Rente mit 63 ist ein Erfolgsmodell, das den Menschen eine würdevolle Verrentung ermöglicht“, erklärte ein Vertreter der Linkspartei. Die Bundesregierung hält sich bis zur offiziellen Vorlage der Vorschläge bedeckt.
Die Diskussion um die Rente mit 63 wird in den kommenden Wochen an Fahrt aufnehmen. Die DAK-Studie liefert dabei wichtige Argumente für die Gegner einer Frührenten-Abschaffung.



