Ein 89-jähriger Münchner verschenkt sein Millionen-Erbe: Otto Gugger hat gemeinsam mit seiner dementen Schwester Dietlinde (90) ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück samt Villa im Stadtteil Großhadern an die Stiftung „Daheim im Viertel“ übertragen. Der Verkehrswert des Grundstücks beträgt laut Stiftungsvorstand Christian Stuptka rund zehn Millionen Euro. Ziel ist der Bau von 20 bis 30 bezahlbaren Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.
Motivation: „Im Sinne unserer Eltern“
Gugger erklärte bereits im Mai gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Es wäre im Sinne unserer Eltern, dass mit dem Grundstück etwas passiert für Leute, die ein schweres Schicksal haben oder für die es schwierig ist, das tägliche Leben in München hinzubekommen.“ Sein Vater war Arzt und stets für seine Patienten da – dieses Vorbild treibe ihn an, „etwas Gutes zu tun“, so Gugger zur „Bild“.
Die Geschwister sind kinderlos, potenzielle Erben gibt es nicht. Gugger betont: „Ich habe das alles noch nie als meinen Besitz empfunden.“ Das Gefühl, das Grundstück sei ihm nur anvertraut worden, begleite ihn seit der Kindheit.
Bedingungen und lebenslanges Wohnrecht
Die Schenkung ist an eine Auflage geknüpft: Das Grundstück muss dauerhaft im Eigentum der Stiftung bleiben, und es muss ein „nachhaltiges und gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt“ entstehen. Die Stiftung „Daheim im Viertel“ ist gemeinnützig, sodass keine Schenkungssteuer anfällt. Die Geschwister behalten ein lebenslanges Wohnrecht in der Villa.
Geplantes Mehrgenerationenprojekt
Im Garten der Villa sollen die Neubauwohnungen entstehen. Zielgruppen sind Mitarbeitende des nahegelegenen Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München, Studierende und ältere Menschen. Auch eine Wohngemeinschaft ist geplant. Ein Architekturbüro wurde beauftragt, ein „Mehrgenerationenprojekt“ mit Gemeinschaftsflächen zu entwerfen, die allen Nachbarn offenstehen. Gugger selbst ist Architekt und hat ein Mitspracherecht bei der Planung.
Mietpreise und Zeitplan
Über die Hälfte der Wohnungen soll für knapp 13 Euro pro Quadratmeter angeboten werden – etwa die Hälfte des Münchner Neubaupreises. Auch die restlichen Wohnungen bleiben unter dem Marktpreis. „Das bin ich meinem Papa schuldig“, sagte Gugger zur „Bild“. Der Baustart ist für 2027 geplant, der Einzug der ersten Bewohner für Ende 2028. Bereits im nächsten Monat soll eine Entscheidung über den Architekturentwurf fallen.



