Das Ehepaar Frank und Maria Neumann hat 40 Jahre lang in Berlin gelebt. Doch die steigenden Mieten und die geringe Rente zwangen sie zum Umzug ins brandenburgische Umland. Heute leben sie in Rathenow – und sind unglücklich. „Wir können uns als Rentner Berlin nicht mehr leisten“, sagt Frank Neumann.
1800 Euro Rente reichen nicht für Berlin
Vor acht Jahren, als Maria Neumann in Rente ging, fiel ihr Gehalt als Psychologin weg. Die gemeinsame Rente beträgt heute nur 1800 Euro netto im Monat. „Das reicht nicht für Berlin“, erklärt Frank Neumann. Die Mietpreise in der Hauptstadt seien für sie unerschwinglich geworden. Also zogen sie nach Rathenow, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin.
Noch immer fährt Frank Neumann einen Opel Astra mit Berliner Kennzeichen. „Das Auto erinnert uns an die alte Heimat“, sagt er. Doch die Stadt, in der sie so lange gelebt haben, ist für sie unbezahlbar geworden. Viele Rentner teilen dieses Schicksal: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sind die Mieten in Berlin in den letzten zehn Jahren um über 50 Prozent gestiegen, während die Renten nur moderat wuchsen.
Leben im Umland: günstiger, aber nicht glücklicher
In Rathenow zahlen die Neumanns deutlich weniger Miete. „Hier ist es ruhiger und günstiger“, sagt Maria Neumann. Doch das Paar vermisst Berlin. Die Freunde, die Kultur, die kurzen Wege – all das fehlt. „Wir fühlen uns hier nicht richtig zu Hause“, gesteht Frank Neumann. Die Anbindung an die Hauptstadt ist schlecht; der Bus fährt nur selten. Ohne Auto wären sie isoliert.
Das Ehepaar ist nicht allein. Immer mehr ältere Berliner ziehen ins Umland, weil die Mieten in der Stadt explodieren. Laut dem Berliner Senat ist die Zahl der Rentnerhaushalte, die mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben, in den letzten fünf Jahren um 15 Prozent gestiegen. Die Neumanns sind ein Beispiel für diese Entwicklung.
Politik gefordert: bezahlbarer Wohnraum für Senioren
Frank Neumann fordert mehr Engagement von der Politik. „Die Stadt muss bezahlbaren Wohnraum für Rentner schaffen“, sagt er. Viele Senioren hätten jahrzehntelang in Berlin gearbeitet und Steuern gezahlt – und würden nun aus der Stadt verdrängt. Der Senat verweist auf Programme zur Mietpreisbremse und den Neubau von Sozialwohnungen, doch für viele Rentner kommen die Maßnahmen zu spät.
Die Neumanns haben sich in Rathenow eingerichtet, aber ihr Herz schlägt noch immer für Berlin. „Vielleicht können wir eines Tages zurückkehren“, hofft Maria Neumann. Bis dahin bleibt ihnen nur die Erinnerung – und das alte Kennzeichen am Auto.



